„Du bist nicht allein mit deiner Lust“

Berlinable ist ein neuer Verlag für erotische E-Books

Cover „Berlin is for lovers“
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Cover „Berlin is for lovers“

Verlegerin Giada Armani vertreibt erotische Literatur für Smartphone und E-Book-Reader. Sie will mit ihrem Verlag Berlinable Marktführerin werden. 

Verlegerin Giada Armani vertreibt erotische Literatur für Smartphone und E-Book-Reader und will mit ihrem neuen Verlag Berlinable Marktführerin werden. Die Autoren verbindet – so heißt es im Verlagsmotto – „der Wunsch nach Freiheit und Offenheit in einer Welt, die jeden Tag konservativer wird“.

Berlin: Neuer Verlag am Ort der Sehnsucht

Die Hauptstadt ist ein Sehnsuchtsort. Menschen aus aller Welt zieht es nach Berlin, weil sie sich von dem freien Geist angesprochen fühlen. Berlin steht – wie keine andere Stadt – für Toleranz und Offenheit. Auch in sexueller Hinsicht. Unternehmerin Giada Armani nennt deshalb ihren gerade gegründeten Verlag Berlinable. 

„Wir erleben eine Zurückentwicklung“: Verlegerin Giada Armani.

Frau Armani, was fasziniert die Menschen an erotischer Literatur?

Ich gehe da von mir aus. Mich fasziniert sie. Ich habe schon als Kind bei meinen Eltern im Regal solche Bücher gefunden – hinter den guten standen die bösen Bücher. Was bewegt Menschen am meisten? Essen und Sex. Wir suchen einen Menschen, der uns liebt. Was uns besonders nah zusammenbringt, ist Sex. Sex bringt uns aber auch zu uns selbst.

Wie das?

Erotische Literatur kann ein Weg sein, herauszufinden, was wir selbst sexuell mögen. Wir wollen das ja nicht alles ausprobieren.

Erotische Literatur perfekt für E-Books

Sie haben 2011 ihren ersten erotischen Verlag gegründet, als E-Books gerade populär wurden. Wie hat die Branche reagiert?

Die haben gesagt, das sei Schwachsinn, Deutsche wollten Papier in der Hand haben. Aber wer möchte zu erkennen geben, dass er gerade Texte über Orgien liest? Erotische Literatur ist perfekt für die Lektüre auf Geräten.

Cover „Birthday present“

Der Sado-Maso-Roman „50 Shades of Grey“ wurde zuerst als E-Book zum Bestseller. War das Buch Wegbereiter?

Auf jeden Fall. Aber erotische Literatur hat man natürlich schon immer gelesen.

Wie hat sich das Geschäft entwickelt?

2011 auf der Buchmesse war mir klar, E-Books sind eine dieser Erfindungen, die die Welt verändern. Ich war schnell sehr erfolgreich, habe viele Einsendungen bekommen, das Medieninteresse war riesig. 

Daneben haben mich viele Menschen um Rat für ihr Liebesleben gefragt. Es war schön, zu sehen, wie sich die Menschen öffnen und mir Dinge erzählen, die sie nicht mal ihrem Partner erzählen würden. Einige Jahre später hatte ich mich aus dem Geschäft zurückgezogen, 2018 war aber klar, ich mache weiter.

Erotik-Literatur: Große Nachfrage

Was hat den Ausschlag gegeben?

Die Leute haben mich oft nach meinem Blog und nach unseren Büchern gefragt. Es wurde klar, dass es ein großes Bedürfnis danach gibt. Menschen werden glücklicher, wenn sie sich mit Sex auseinandersetzen können.

Deshalb kam Berlinable.

Ja, ich verdanke Berlin alles, was ich bin und habe. Hier ist eine freie Gesellschaft, alles ist easy-peasy. Ich bin seit 20 Jahren hier, auch als Frau im Nachtleben, es ist sicher hier.

Wer sind Ihre Autoren?

Normale Leute. Freunde von Freunden von Freunden.

Wer entscheidet darüber, welche Geschichten in Ihr Verlagsprogramm aufgenommen werden?

Bei deutschen Texten ich selbst, bei englischen meine extrem gute Chefredakteurin Ana Ornelas. Wir haben unsere No-Gos: Inzest, Minderjährige, Gewalt und Zoophilie. Die geschilderten Praktiken in den Storys müssen mir persönlich nicht gefallen. Ich frage mich aber, was es bringt, die Geschichte zu lesen. Sie muss Mut machen, inspirieren und das Gefühl geben: Du bist nicht allein mit Deiner Lust.

Erotische Literatur ist nicht mit Pornos zu vergleichen

Im Internet sind Pornos sehr verbreitet. Was können erotische Texte, was Filme nicht können?

Pornos sind gleichmacherisch, wir sehen alle die gleichen Bilder. Bei Texten entstehen die Bilder im Kopf. Für jeden sind das andere. Ich habe außerdem ein Problem mit den meisten Pornos, weil ich keine Diversität sehe und mich in vielen Fällen frage, wo die Würde bleibt.

Sie sagen, die Welt wird konservativer. Inwiefern?

Konzerne wie Google und Facebook sitzen in den USA und sind von der Prüderie der dortigen Gesellschaft geprägt, ihre Zensurregelungen wirken sich aber auch auf Europa aus. 

Cover „Bärenmädchen“

Bei uns werden oft Bilder im Netz zensiert, auf denen etwa eine Brustwarze zu sehen ist. Selbst bei antiken Statuen. Es ist richtig, dass es Jugendschutz gibt, aber was wir derzeit erleben, ist eine Zurückentwicklung.

Erotische Literatur außerhalb des Schubladen-Denkens

Sie haben eine Mission: „Sex-Positivity, Vielfalt und sexuelle Bewusstseinsstärkung“. Was ist damit gemeint?

Ich würde mich freuen, wenn wir aufhören, in Schubladen zu denken: Mann-Frau, schwul-hetero, oben-unten. Wir suchen nach Autoren, die nicht in diesen normierten Konstellationen schreiben.

Was bieten Sie an?

Hauptsächlich Kurzgeschichten von zehn bis zwölf Seiten, die kosten 99 Cent. Aber auch Romane. Jeden Donnerstag veröffentlichen wir mehr, bis März wollen wir 200 Titel anbieten. Mein Ziel ist, der größte erotische Verlag der Welt zu werden.

Giada Armani wurde in Bolzano/Italien geboren. Sie kam zum Jurastudium nach Berlin und hat bei einer Event-Agentur gearbeitet. 2011 erste Verlagsgründung Giada.Berlin. Ihr Verlag ist erreichbar unter berlinable.com.

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