Neu im Kino: Sofia Coppolas Film „Somewhere“ über die Leere des Lebens im Luxus

Verloren im Irgendwo

Moment der Vertrautheit: Filmstar Johnny Marco (Stephen Dorff) mit Tochter Cleo (Elle Fanning) beim Fernsehen. Foto: Tobis/nh

Sofia Coppola hat ein phänomenales Gespür dafür, Stimmungen zu erzeugen. Im Oscar-prämierten, lakonisch-leisen „Lost in Translation“ (2003) vermochte sie auf faszinierende Weise, der Verlorenheit ihrer Protagonisten in Tokio Ausdruck zu geben. Unvergessen, wie Bill Murray als Schauspieler Bob Harris einsam in der Hotelbar sitzt, Scarlett Johansson hoch über der ihr fremden Mega-Stadt aus dem Fenster schaut: Momente in melancholischer Schwebe.

Sieben Jahre später, wieder ein Hotel, wieder ein Schauspieler, dessen Leben im Leerlauf rotiert, so wie er in seinem prächtigen Ferrari irgendwo in der Wüste sinnlos im Kreis fährt. Johnny Marco (Stephen Dorff) hat sich im Chateau Marmont in Los Angeles eingenistet. Viele Drinks, viele Frauen, immerzu Partys und wenig zu tun - das ist sein Leben.

Auch in ihrem vierten Film hat die 39-jährige Coppola, die als Tochter des Regisseurs und Produzenten Francis Ford Coppola das Hollywood-Milieu von klein auf kennt, bezwingende Bilder für die Unbehaustheit, glitzernde Oberflächen, den schönen Schein des Jetset-Alltags geschaffen. Leider jedoch ist „Somewhere“, obwohl in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet, nicht ein solches Meisterwerk wie der Vorgänger-Film. Trotz des ebenso fabelhaften Soundtracks, den Coppolas Mann, Phoenix-Sänger Thomas Mars, beigesteuert hat, trotz der prägnanten Szenen, die die Langeweile zwischen Fotoshootings, Presseterminen, TV-Galas und Paparazzi-Verfolgungswahn demonstrieren.

Denn: Mitunter übertragen sich die Ödnis und Ziellosigkeit, ausgedrückt in endlosen Einstellungen, in den Kinosaal, und es fehlt dem handlungsarmen „Somewhere“ mit seinen kargen Dialogen auch der Witz von „Lost in Translation“.

Coppolas Johnny Marco, dessen vorzüglicher Darsteller Dorff im wirklichen Hollywood noch nicht zu den bestbezahlten Schauspielern zählt, ist auch eine Spur verzweifelter. Er merkt es eine gefühlte Ewigkeit nicht. Erst als er sich um seine elfjährige Tochter, die bezaubernde Cleo (Elle Fanning), kümmern muss, wacht er auf. Wunderbar die vertrauten, in allem Hollywood-Hype „normalen“ Vater-Tochter-Szenen: ein selbst gemachtes Frühstück, Gitarrespielen an der Playstation, ein Sonnenbad am Pool. Das Kind erdet in seiner Natürlichkeit den Star und den Film. Cleos Empfinden ist noch aufmerksam und sensibel. Ein Hoffnungszeichen.

Genre: Drama

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von Mark-Christian von Busse

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