Neu im Kino: Ben Affleck erzählt in „Argo“, wie Hollywood Geschichte schrieb

Verloren in Teheran

Spannung bis zur letzten Minute: Regisseur und Hauptdarsteller Ben Affleck als CIA-Spezialist im Thriller „Argo“. Foto: Warner

Die Menschen sind aufgebracht. Hunderte haben sich vor den Toren der US-Botschaft versammelt. Die Demonstranten skandieren lautstark antiamerikanische Parolen und recken ihre geballten Fäuste in die Luft. US-Flaggen gehen in Flammen auf. Dann durchtrennt ein Bolzenschneider die Kette am Gittertor und die Menge erstürmt das Gelände.

Nicht aus Bengasi, Kairo oder Tunis, weder aus dem Jahr 2012 noch aus dem Fernsehen stammen diese Aufnahmen. Es sind Kinobilder. Sie erzählen davon, wie militante Demonstranten in Teheran am 4. November 1979 auf dem Höhepunkt der iranischen Revolution die US-Botschaft stürmten und 52 Amerikaner als Geiseln nahmen.

Ben Afflecks neuer Film „Argo“ zeigt, wie die CIA sechs Botschaftsangehörige, die vor den islamischen Revolutionären in die kanadische Vertretung flüchten, mit einer unglaublichen Legende außer Landes brachte. Hollywood selbst beteiligte sich an der Rettungsaktion, denn der Plan der Geheimdienstler sah vor, dass die sechs Amerikaner als Mitglieder einer kanadischen Filmcrew ausgeflogen werden sollten.

Ein bekannter Hollywood-Produzent (Alan Arkin) sorgt dafür, dass das Pseudofilmprojekt mit Skriptlesungen und Pressekonferenzen in aller Munde ist, und ein CIA-Spezialist (Ben Affleck) weiht die Betroffenen in Teheran in die Gepflogenheiten des Filmgeschäftes ein, um die Legende gegenüber den iranischen Behörden glaubwürdig erscheinen zu lassen.

Unterhaltung mit Anspruch

Leichtfüßig oszilliert „Argo“ zwischen amüsanter Farce und höchst spannendem Politthriller und bringt den zynischen Hollywoodbetrieb mit den realpolitischen Ereignissen der späten 70er-Jahre in Reibung. Auch wenn Affleck hier pures Unterhaltungskino liefert, lässt er in einem Prolog keinen Zweifel an den historischen Schuldverstrickungen der USA, die im Iran nicht zum letzten Mal mit den Konsequenzen ihrer Politik der Unterstützung von diktatorischen Regimes konfrontiert wurden.

Wie schon in „Gone Baby Gone“ und „The Town“ zeigt Affleck auch in diesem Politthriller, dass er mit den Werkzeugen des Genrekinos bestens vertraut ist. Souverän hält er die Spannung von der ersten bis zur letzten Minute und orchestriert sein breit gefächertes Figurenarsenal ohne Stereotypisierungen.

Hinzu kommen die hervorragenden schauspielerischen Leistungen, allen voran Alan Arkin und John Goodman, die ihre pointenreichen Dialogpassagen, in denen der aufgeblasene Hollywoodbetrieb ins Visier genommen wird, mit knochentrockenem Understatement ausliefern.

Genre: Thriller

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

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