Die Alte Nationalgalerie Berlin zeigt 18 im Krieg verschollene und entdeckte Gemälde

Verlust und Wiederkehr

Ehemaliger Kriegsverlust: Ludwig Knaus’ Ölgemälde „Salomonische Weisheit“ (1878, 88 x 70 cm) kehrte 2006 in die Nationalgalerie zurück. Knaus zählte im 19. Jahrhundert zu den Künstlern, die immer wieder in der Malerkolonie Willingshausen in der Schwalm zu Gast waren. Fotos:  Staatliche Museen/Kilger

Berlin. Adolf Hitler konnte das Gemälde fast täglich bewundern: Ab 1934 hing Wilhelm Ahlborns „Blick auf Florenz“ in der Reichskanzlei - als Leihgabe der Berliner Nationalgalerie. Seit Kriegsende 1945 war es verschollen. Vor einem Jahr tauchte es - in Privatbesitz - wieder auf. Die Nationalgalerie griff sofort zu - und zahlte einen „Finderlohn“ für das Gemälde aus dem Jahre 1832, wie der frühere Kasseler Museums-chef Michael Eissenhauer, jetzt Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, berichtet.

Das Ahlborn-Gemälde zählt zu 18 verschollenen und wiederentdeckten Werken, die die Alte Nationalgalerie bis 6. März in der Kabinettausstellung „Verlust und Wiederkehr“ zeigt. Über 800 Werke gingen im Zweiten Weltkrieg verloren, darunter 600 aus dem 19. Jahrhundert, die zum Schutz vor Bombenangriffen ausgelagert worden waren. Viele Gemälde wurden durch Angriffe vernichtet, andere von den Alliierten in Besitz genommen („Beutekunst“), wieder andere gestohlen. Seit den 90ern werden immer häufiger Kunstwerke wiederentdeckt - und können für Museen zurückgewonnen werden.

Erben wollen verkaufen

„Das liegt daran, dass durch den Generationenwechsel Gemälde bei Erben auftauchen“, erklärte Eissenhauer. Nach dem Krieg seien viele von Museen in Schutzräume gebrachte Werke gestohlen worden. Erben versuchten nun, die Werke zu verkaufen. Viele Kunsthändler wüssten aber, welche Bilder vermisst würden und setzten sich mit den rechtmäßigen Eigentümern in Verbindung. Diese versuchten, mit den Erben eine einvernehmliche Regelung zu finden.

Das Internet erleichtere die Suche. Einige Portale veröffentlichten Bilder von vermissten Werken, anhand derer diese identifiziert werden können. „Viele Bilder waren schon vor dem Krieg fotografiert worden“, sagt Eissenhauer.

Weder Kunsthändler noch Galerien oder Ausstellungshäuser hätten Interesse an den gesuchten Bildern, sagt Eissenhauer. Sie würden sich meist von sich aus melden. „Die Bilder können weder ausgestellt noch in Auktionen verkauft werden, weil ja bekannt ist, dass sie vermisst werden. Die Bilder haben keinen Marktwert.“ Wie viele der verschollenen Gemälde noch im Privatbesitz sind, weiß auch Eissenhauer nicht genau.

In der Schau sind Werke etwa von Carl Blechen, Ferdinand Waldmüller, Johann Erdmann Hummel, Ludwig Knaus und Julius Hübner zu sehen. Das Gemälde „Ruth und Naemi“ von Hübner verschwand 1945 aus dem Flakturm beim Berliner Zoo. 2005 tauchte es auf einem Berliner Flohmarkt wieder auf - und wurde zurückgewonnen. (dapd)

Bis 6. März. Katalog: 5 Euro. www.smb.museum

Von Holger Mehlig

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