Vermausung statt Karriere: Bascha Mika tadelt „Die Feigheit der Frauen“

Ehemalige „taz“-Chefin: Bascha Mika (57). Foto: dpa

Als vor wenigen Wochen die Diskussion über die Frauenquote wieder einmal hochkochte, bezog auch Bascha Mika Stellung: Die Quote sei eine Krücke, gut für eine Weile, dann aber müsse es auch ohne gehen, erklärte die ehemalige Chefredakteurin der Berliner „tageszeitung“ im „Spiegel“.

Erklimmen in ein paar Jahren Deutschlands Frauen wirklich die Chefetagen der Unternehmen? Mit ihrer Streitschrift „Die Feigheit der Frauen“ widerlegt die 57-Jährige zunächst ihre eigene Hoffnung, dass es auch ohne Quote geht. Nach ihrer Ansicht ist die Frau von heute nämlich die von gestern: die auf Karriere verzichtet, sich freiwillig unterordnet und sich nach Mann und Kindern sehnt. Neu ist nur, dass sie es sich in der „Komfortzone“, in der Abhängigkeit vom Mann also, gemütlich macht und Latte Macchiato schlürft.

Frauen trauten sich nichts mehr zu: Sie seien feige und bequem, bereit zur Selbstaufgabe, litten am Kümmersyndrom und nutzten das Kinderkriegen als Ausweg aus den Härten des Berufsalltags, lautet Mikas Urteil. Natürlich weiß die Autorin, dass sie längst obsolete Geschlechterollenklischees bemüht. Dennoch schreibt sie diese Klischees in der Zuspitzung seltsam fort.

Zwar räumt sie ein, dass die gesellschaftlichen und politischen Strukturen die traditionellen Muster fördern. Das zeige sich in der Lohnungleichheit und in fehlenden Kita-Plätzen. Frau selbst aber trage Schuld: „Weil wir keine Gegnerinnen des Systems sind, sondern Komplizinnen.“ Vor allem im privaten Bereich tappten Frauen oft in die Rollenfalle, indem sie Liebe und Partnerschaft idealisierten.

Auf 250 Seiten verknüpft Mika in plastisch-drastischer Sprache nicht nur eigene Alltagsbeobachtungen mit wissenschaftlichen Befunden, sondern bindet auch individuelle Fallbeispiele ein. Obwohl sie immer wieder das nervige „wir Frauen“ bemüht, zeichnet sie fast ausschließich Lebensentwürfe von gut ausgebildeten westdeutschen Mittelschichtsfrauen.

Weder kommen die Probleme sozial schwacher Frauen zur Sprache noch gleichgeschlechtliche Liebe. Und auch Mikas Männerbild ist alles andere als differenziert: So Männer überhaupt auftauchen, werden sie zu karrierefixierten Putzverweigerern.

Bascha Mika versteht ihre Publikation nicht nur als Bestandsaufnahme, sondern auch als Appell. Sie ruft auf, Verantwortung zu übernehmen: „Wir können uns entscheiden, ob wir uns behaupten oder vermausen“, schreibt sie und empfiehlt eine gehörige Portion Mut statt Ausreden.

Das scheint ein bisschen wenig. Aber sie habe ja keinen Ratgeber schreiben wollen, erklärte die Autorin im „taz“-Interview. Was beruhigend ist, denn wenn auch vielen ihrer Beobachtungen zuzustimmen ist, so lässt Mika eines außer Acht: Dass es auch ein Glück jenseits der Karriere geben kann.

Bascha Mika: Die Feigheit der Frauen. Rollenfallen und Geiselmentalität. Eine Streitschrift wider den Selbstbetrug. C. Bertelsmann, 245 Seiten, 14,99 Euro. Wertung: drei von fünf Sternen

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