Das Theater Rollwagen weiht das Kreuzgewölbe des Karlshospitals ein

Verstecken, verstellen, verführen

Kassel. Könnten Steine reden, so hätte das alte Gemäuer an diesem Nachmittag einiges zu berichten gehabt. Doch da Steine nun mal bekanntlich stumm sind, hatten Brunhild und Jörg Falkenstein im historischen Kreuzgewölbe des Karlshospitals das Sagen.

Mit einer Lesung von Arthur Schnitzlers „Die kleine Komödie“ eröffneten sie das imposante Untergeschoss des gerade sanierten Gebäudes, welches 1720 von Landgraf Karl am Fuldaufer als Zuchthaus erbaut worden ist. Mit einem Literaturprogramm wird das Theater Rollwagen künftig ein abwechslungsreiches Kulturangebot in der einzigartigen Atmosphäre des Gewölbes bieten.

Wien um 1900. In einer Brieferzählung kommen der wohlsituierte Alfred von Wilmers und die elegante Josefine Weninger zu Wort. Beide sind gelangweilt vom ewig gleichen Amourenkarussell der Wiener Gesellschaft. Spielerisch versuchen sie, ihrem Liebesleben etwas Würze einzuhauchen. Verkleidet als einfache Kunststickerin und als erfolgloser Dichter, treffen die beiden aufeinander. Es beginnt ein heiter-frivoles Versteckspiel um Verstellung, Liebe und Verführung.

Mit der „kleinen Komödie“ bot das Zwei-Personen-Theater ein Hörvergnügen der besonderen Art. Brunhild und Jörg Falkenstein akzentuieren mit ihrer stimmlichen Umsetzung den Tonfall der besseren Wiener Gesellschaft vortrefflich. Jörg Falkenstein verkörpert den wohlsituierten Lebemann, den so schnell nichts mehr aus der Ruhe bringt. Daneben lässt Brunhild Falkenstein die lebensfrohe und mit allen Wassern gewaschene Kokotte Josefine gekonnt erstehen.

Die Zuhörer gaben sich beim Applaus ebenfalls Mühe, über die nur spärlich besetzten Stuhlreihen hinwegzutäuschen - glücklicherweise gibt es weitere Gelegenheiten, die zum Hörvergnügen in besonderer Atmosphäre einladen.

Weitere Termine sind unter www.theater-rollwagen.de

Von Kirsten Ammermüller

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