Wir verstehen nur Bahnhof: Der ebenso tolle wie rätselhafte Pop der Kölner Band Erdmöbel

Denn sie wissen nicht, was sie singen: Schlagzeuger Christian Wübben (von links), Sänger Markus Berges, Pianist Wolfgang Proppe und Bassist Ekki Maas.

Früher war Markus Berges schwer zu verstehen. Der Musiker sang auf Englisch und hatte nur ein Ziel: „Es kam nicht so darauf an, was die Texte bedeuten. Sondern darauf, dass es cool klingt.“

Gerade ist das neue Album von Berges’ Band Erdmöbel erschienen, „Krokus“ ist das achte des Kölner Quartetts auf Deutsch, aber oft versteht man immer noch Bahnhof.

Einmal heißt es: „Sorpe, Banfe, Schopse, Milz“. Kein Mensch wird darauf kommen, dass es sich um Flussnamen handelt. Und oft fragt man sich, was die Texte eigentlich bedeuten sollen. Aber die Wörter klingen einfach toll. Wenn man „Krokus“ gehört hat, meint man, dass „Nordrhein-Westfalen“ und „Silageplane“ zwei der allerschönsten deutschen Wörter sind - weil Berges sie singt, als seien sie Kunstwerke. Seine Zuhörer, hat Berges in einem Interview gesagt, „erwartet ein ähnliches Erlebnis, wie wenn sie eine tolle Fremdsprache genießen können“.

Mit Kritikern gibt es indes keine Kommunikationsprobleme. Von denen wird Berges als „unser originellster Songwriter“ gepriesen, der mit seiner Band „den deutschen Pop rettet“ („Rolling Stone“). Für die „FAZ“ ist „Krokus“ das „beste deutschsprachige Album seit langem“. 15 Jahre nach der Gründung in Münster sind Erdmöbel, die sich nach der DDR-Bezeichnung für Särge benannt haben, die Band der Stunde.

Kritikerlieblinge waren die Musiker schon lange, in die Charts schafften sie es jedoch erst vor drei Jahren, als sie ein Album mit Cover-Songs von Kylie Minogue und Robbie Williams aufnahmen. „Die meisten Radios spielen uns nicht, weil sie Angst haben, dass zu viele Leute anrufen, die meckern“, glaubt Bassist Ekki Maas.

Richtig massentauglich sind auch die 13 neuen Songs nicht, die vom Piano getragen werden und durch einen melodischen Bass und sanfte Bläser bestechen. Manchmal erinnert die Musik an Element of Crime - nur dass Erdmöbel anders als die Berliner nicht nur drei gute Songs haben, die sich wiederholen, sondern dreizehn.

Vielleicht wird Sänger Berges bald auch noch Bestsellerautor wie sein Element-of-Crime-Kollege Sven Regener („Herr Lehmann“). Gerade ist bei Rowohlt sein Debütroman „Ein langer Brief an September Nowak“ erschienen - auf Deutsch natürlich. Bei „Krokus“ hatten Berges und Maas erst überlegt, ob sie sich nicht eine Fantasiesprache ausdenken sollten.

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