Verträumt und herzlich: Melanie Dekker im Theaterstübchen

Eine strahlende Musikerpersönlichkeit: Melanie Dekker im Theaterstübchen. Im Hintergund der Gitarrist David Sinclair. Foto: Fischer

Kassel. Hübsch ist sie. Jung, blond und kokett gekleidet: rotes Cocktailkleid, sexy Netzstrümpfe, hohe Stiefel – und klingt doch ganz anders, als man es bei dieser offensiven Garderobe vermuten würde. Nämlich leicht verträumt und melancholisch.

Besonders in Kanada, wohin Melanie Dekkers holländische Eltern einwanderten, ist die Singer-Songwriterin auf dem besten Weg, ein Star zu werden.

Am Montag gastierte sie im gut gefüllten Theaterstübchen. Ihre Stimme fließt durch ihre Balladen, Popsongs und Countryanleihen wie feiner Sandstrahl, der kleine Reibungen erzeugt. Samtig rau klingt ihre Stimme. Ihre Stücke – an diesem Abend ein Querschnitt aus verschiedenen Alben – besitzen, obwohl musikalisch aufgewertet durch die Spielkunst ihrer Begleiter, dem Bassisten Allan Rodger und dem auch mit Soli und Gesang überzeugenden Gitarristen David Sinclair, nicht immer die Individualität ihrer Vorbilder.

Alles klingt ganz nett, aber so richtig haften bleibt wenig. Auch bieten die Arrangements nicht grade viele Überraschungen. Gefühl und eingängige Refrainmelodien wie bei den Stücken „I said I“ oder „Flowers“ aber sprechen an - natürlich auch ihre Stimme. Und ganz besonders ihre sympathische, natürliche, strahlende Persönlichkeit.

Hat sie ein Lied zu Ende geträumt, dann meldet sich die Kumpelfrau. Polternd fröhlich, laut lachend und ungezwungen herzlich witzelt sie und erzählt Anekdoten über sich und ihr Leben. Zum Beispiel, dass ihre akustische Gitarre nur als E-Gitarre deklariert über den Zoll darf, dass sie in drei Sprachen „Ich will ein Bier“ sagen kann oder über die Fans einer populären Band, die auf Stichwort die Essenz eines Suppengerichts auf die Bühne schleudern. „Blumen wären besser“, lacht sie und ist völlig gerührt, als ihr ein Besucher spontan einen Strauß entgegenstreckt: „Oooh, marry me!“ (heirate mich), haucht sie glückselig und zwinkert zugleich ins Auditorium. Fazit: Kein Hammerkonzert, aber eine riesig sympathische Künstlerin. Applaus und eine Zugabe.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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