Die langjährige Leiterin Marianne Heinz nimmt in Etappen Abschied von der Neuen Galerie

Mit Verve für die Malerei

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Kassel. Jeden Kunsthistoriker erwische es irgendwann mit Bauarbeiten, sagt Dr. Marianne Heinz. Bei der Leiterin der Neuen Galerie war es am Ende ihrer Amtszeit so weit. Vor ihrem Eintritt in den Ruhestand zum Jahresende 2011 wurde das Museum, für das sie seit 1984 Verantwortung trug, für fast 25 Mio. Euro von Grund auf saniert.

Als „großes Glück“ empfand sie die Zusammenarbeit mit den Architekten, vom Ergebnis schwärmt sie: „Es schwebt!“. Ihr Büro: „Ein Traum. Was meinen Sie, wie gern ich hier sitze.“

Aber nicht deswegen ist Heinz geblieben, mit einem bis Juni befristeten Werkvertrag ohne Leitungsfunktion. Sondern um bei den „Mühen der Ebene“ nach der Wiedereröffnung zur Hand zu gehen, um der documenta 13 zu assistieren, die derzeit das Ober- und Untergeschoss einrichtet, und um Dr. Dorothee Gerkens einzuarbeiten, die am Montag ihre Nachfolge antritt: „Ich will unbedingt alles korrekt übergeben.“

Ihr eigener Einstieg in Kassel fiel Heinz leicht, schließlich hatte die in Heddesheim bei Mainz geborene Kunsthistorikerin bei den Staatlichen Kunstsammlungen Kassel volontiert. Der Neuen Galerie verlieh sie mit Verve und Engagement klares Profil - eines, das nicht unumstritten ist.

„Ich bin mir meiner Sache ganz sicher“, zieht Heinz Bilanz - was die Präsentation der städtischen Sammlung mit dem Schwerpunkt des 19. Jahrhunderts betrifft, die das Museum des Landes mitbetreut, und die Konzentration auf Malerei: konkrete, gestische, vor allem ungegenständliche, monochrome Gemälde. Diese gebe es in Deutschland nirgendwo anders so prominent, Videokunst hingegen werde brillant in Karlsruhe oder Düsseldorf gezeigt. Die Neue Galerie dürfe sich nicht verzetteln, findet Heinz. Zudem gebe es gerade bei den documenta-Erwerbungen auch andere Medien, dazu die Modelle der Außenarbeiten.

Überhaupt, die documenta: „Sie geht über alles in dieser Stadt.“ Es sei einmalig, dass ein Museum alle fünf Jahre für ein solches Großereignis ausräumen müsse. „Das ist nicht gerade prickelnd.“ Heinz hat da durchaus zwei Seelen in ihrer Brust. „Meine documenta war die von Jan Hoet 1992.“ Er habe die Kasseler Sammlung geschätzt, mit ihr wunderbar gearbeitet. Mit dem Belgier konnte sie sehr gut umgehen.

Im Ruhestand wird sich Heinz, die ledig ist und in Kassel bleiben wird, „immer mit Kunst beschäftigen“. Wann immer es geht, will sie nach Rom reisen, wo sie einst studiert hat. Ihr Traum ist, einmal die komplette Produktion eines Theaterstücks mitzuerleben: „Ich würde mich auch ganz still in den Rang setzen.“

Heinz könnte auch die Kunstgeschichte der Stadt Kassel vor 1955 weiter erforschen, die sie „ziemlich traurig“ findet. Die Schenkung der Gräfin Bose, die den Grundstock der Neuen Galerie bildete, sei so oft umgezogen: „Eine Rumschubserei erster Güte.“ Heute irre, wer glaube, zeitgenössische Kunst sei in Kassel verankert: „Man muss immer wieder von vorn anfangen und aufs Neue dafür kämpfen.“

Von Mark-Christian von Busse

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