Erfolgsautor seiner Zeit: Der Mecklenburger Fritz Reuter wurde morgen vor 200 Jahren geboren

Er verwandelte Leiden in Lachen

Fritz Reuter Foto: picture-alliance

Wer in Mecklenburg reist, wird ihm nicht entkommen. Hier ist Fritz Reuter, der am Sonntag vor 200 Jahren geborene bedeutendste niederdeutsche Schriftsteller, allgegenwärtig. Sein Geburtsort Stavenhagen, wo ein attraktives Museum an den Bürgermeister-Sohn erinnert, nennt sich gar „Reuterstadt“.

Fritz Reuter, mit Büchern wie „Ut mine Stromtid“ über das Leben auf dem Lande, „Ut de Franzosentid“ und „Läuschen und Rimels“ (Gedichte und Anekdoten) im 19. Jahrhundert einer der meistgelesenen Autoren, für den selbst Münchner und Zürcher das Plattdeutsche lernten, ist kein betulicher Heimatdichter. Scharf sah er die unhaltbaren sozialen Zustände seiner rückständigen Heimat. Dass er mit humorvollen Anekdoten und liebenswerten Figuren im Gedächtnis blieb, liegt daran, dass er „Leiden in menschenfreundliches Lachen verwandelte“, wie der Berliner Germanist Joachim Rickes sagt.

Reuter war in der Lage, Bitterkeit in Heiterkeit aufzulösen und umgekehrt eine Posse plötzlich in Tragik kippen zu lassen, sagt Cornelia Nenz, Leiterin des Reuter-Literaturmuseums. Und Grund zu Bitterkeit hatte Reuter genug.

Der erfolg- und lustlose Jura-Student schloss sich in Jena der Burschenschaftsbewegung an. Wegen versuchten Hochverrats und Majestätsbeleidigung wurde er zum Tode verurteilt und zu 30 Jahren Festungshaft „begnadigt“, von denen er sieben Jahre absaß. Jahre, die den labilen Reuter kaputt machten. Seine latente Alkoholsucht verschlimmerte sich, vom Vater, dem er „bedrückende Bettelbriefe“ (Nenz) sandte, wurde er enterbt und quasi entmündigt.

Erst mit über 40, nachdem er als Volontär („Strom“) auf einem Gutshof begonnen und dort die Liebe seines Lebens, die Pfarrerstochter Louise, kennengelernt hatte, die stets tapfer zu Reuter stehen sollte, begann dieser zu schreiben. Zuerst veröffentlichte er im Selbstverlag, später erzielte er im Hinstorff-Verlag Rostock Einkünfte, wie sie wohl nie wieder ein deutscher Schriftsteller bekommen sollte: ein Drittel des Kaufpreises seiner Bücher.

Am Ende seines Lebens zog Reuter, auch zermürbt von den Erwartungen und vom Zuspruch der Öffentlichkeit, nach Eisenach. Dort starb er 63-jährig, gezeichnet von den Folgen eines Schlaganfalls, am 12. Juli 1874. Die Villa Reuter am Fuß der Wartburg ist noch heute zu besichtigen.

Mehr zu Fritz Reuter und Lesetipps: www.reuter200.de

Von Mark-Christian von Busse

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