Popstar David Bowie war seiner Zeit meist voraus - morgen wird er 65 und überrascht mit Humor

Die Verwandlungen eines Zweiflers

Das Familienleben ist mitschuldig, dass David Bowie schon seit neun Jahren kein neues Album mehr veröffentlicht hat. Schon vor einigen Jahren sagte der britische Sänger und Schauspieler, der morgen 65 wird, dass er sich nun vor allem um seine Tochter kümmern wolle: „Sonst habe ich ein kleines Mädchen, das mir Fragen stellt: ,Warum hast du so etwas gerade kurz nach meiner Geburt geschrieben? Herzlichen Dank.’“

Herzlichen Dank sagten auch Bowies Fans, nachdem sie die jüngste Weihnachtsbotschaft des Pop-Idols auf dessen Webseite sahen. Dort spielte er auf der Blockflöte ein „Requiem für einen lachenden Gnom“. So schlecht wie Bowie das tat, hätte es dessen Tochter, die mittlerweile elf ist, wahrscheinlich mit fünf geschafft - aber das Ganze war nur als Scherz gemeint.

Dabei ist Humor nicht unbedingt das Erste, das man mit dem im Londoner Vorort Bromley aufgewachsenen Künstler verbindet. Eine so facettenreiche Karriere gibt es selten im Pop-Zirkus. Mit der 1969 erschienenen Weltraumballade „Space Oddity“ schaffte Bowie den Durchbruch. Als Kunstfigur Major Tom vermischte der ausgebildete Schauspieler Science-Fiction-Theater und Rock, doch die Musik klang nach Folk. Bei Bowie wusste man nie, woran man war. Als androgyner Ziggy Stardust erfand er sogar die Geschlechtsrollen neu. Später erschuf er noch Figuren wie Thin White Duke, hinter deren Fassaden der Selbstzweifler befreit singen konnte.

Zugleich verfiel Bowie dem Heroin. Nachdem er Ende der 70er drei Jahre in Berlin gelebt und dort das wunderbare Liebeslied „Heroes“ aufgenommen hatte, spielte er sich im Fixer-Drama „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ konsequenterweise selbst. Seine kommerziell erfolgreichste Zeit hatte Bowie in den 80ern mit Hits wie „Let’s Dance“ und „China Girl“. Sie machten ihn zu einem der reichsten Popstars - 2010 betrug sein Vermögen mehr als 700 Millionen Euro.

Nach einer längeren Durststrecke experimentierte er in den 90ern mit modernen Sounds wie Drum ’n’ Bass, entdeckte als Pionier das Internet und ging als erster Künstler der Unterhaltungsbranche an die Börse. Sein 26. und bislang letztes Album „Reality“ stellte Bowie im September 2003 mit einem Konzert vor, das via Satellit in Kinos in aller Welt übertragen wurde.

Besser wurde sein Spätwerk dadurch nicht unbedingt. Auf „Reality“ klang er, als hätte er seine dritten Zähne im Bad vergessen, wie ein Kritiker schrieb. Vielleicht hat der bekennende Buddhist, der mit seiner zweiten Frau, dem somalischen Model Iman, in New York lebt, noch viel Zeit, bessere Alben aufzunehmen. „Ich würde gern 300 Jahre alt werden“, sagte Bowie einmal.

Von Matthias Lohr

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