Dürrenmatts "Versprechen" am Deutschen Theater Göttingen

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Dürrenmatt-Krimi auf der Bühne: Szene mit (von links) Kommissar Matthäi (Paul Wenning), Hausierer von Gunten (Gerd Peiser), ein Polizist (Nikolaus Kühn) und Annemarie (Vanessa Czapla, liegend).

Göttingen. Friedrich Dürrenmatt hat 1958 aus seinem Drehbuch zum Film „Es geschah am helllichten Tag“ (mit Heinz Rühmann und Gerd Fröbe) den Kriminalroman „Das Versprechen“ gemacht. Antje Thoms wiederum hat dazu eine Bühnenfassung geschrieben.

Diese wurde am Samstag in einer aufwendigen, fast zweieinhalb Stunden dauernden Inszenierung als Erstaufführung auf die Bühne des Deutschen Theaters Göttingen gebracht.

Kommissar Matthäi, hervorragend in seiner Verbissenheit dargestellt von Paul Wenning, verspricht der Mutter (Andrea Strube) des ermordeten Mädchens „bei meinem Seelenheil“, den Mörder zu finden. Mit fragwürdigen Mitteln. Er setzt das Mädchen Annemarie (Vanessa Czapla) als Lockvogel ein, spinnt ein Netz aus logischen Fallen und versucht so, den Mörder zu fangen.

Doch dieser verunglückt, absurder Zufall, auf dem Weg zu seinem nächsten Opfer Annemarie tödlich. Das weiß die Polizei aber erst sehr viel später. In einem eindringlichen Schlusswort gesteht die Witwe des Mörders (sehr würdevoll: Gabi Dey) die Schuld ihres Mannes. Davon erfährt der in seiner Besessenheit alkoholkrank gewordene und längst verwirrte Matthäi jedoch nichts mehr und erkennt auch nicht, dass der Wirklichkeit mit Logik nicht immer beizukommen ist.

In Abwandlung zum Film ist Dürrenmatt im Roman vom Klischee des mit Logik und Überlegenheit jeden Fall lösenden Kommissar kritisch abgerückt und lässt seinen „zweiten“ Matthäi letztlich als am Zufall gescheitert dastehen.

Mit viel Liebe zum Detail (Dramaturgie Anna Gerhards, Bühne Florian Barth, musikalische Leitung Fred Kerkmann, Kostüme Katharina Meintke) hat Antje Thoms Dürrenmatts Buchvorlage fast eins zu eins umgesetzt, dabei aber einige unnötige Längen produziert.

Zwar lässt sie Matthäis Vorgesetzten Kommandant Dr. H (Ronny Thalmeyer), der die tragische Geschichte in einer rückblickenden Rahmenhandlung erzählt, immer wieder gelungen ins gleichzeitig ablaufende Bühnengeschehen eingreifen, wodurch die jeweiligen Szenen geschickt verdichtet werden. Dieser Effekt wird jedoch durch allzu langes Ausweiten anderer Szenen wieder aufgehoben, was wiederum die Intensität der Darstellung mindert. So etwa das Verhör des zunächst des Mordes verdächtigten Hausierers von Gunten (ergreifend Gerd Peiser) durch Polizist Henzi (sehr schön klischeehaft guter und böser Bulle darstellend Michael Michßner) oder Matthäis Spielen mit Annemarie und sein obsessives Warten auf den Täter.

Dem Publikum hat es gefallen und die durchweg guten schauspielerischen Leistungen mit anhaltendem Applaus bedacht.

Wieder am 9., 22., 29. Oktober, 11., und 15. November. Karten: Tel. 0551 / 49 690.

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