Lutz Görner und Elena Nesterenko begeisterten bei einem Chopin-Abend im Augustinum

Verzweiflung verbindet Text und Musik

Lutz Görner Foto:  nh

Kassel. „Sein Leben kennzeichnet weder Abenteuer noch Episoden. Seine Gefühle und Empfindungen waren seine Ereignisse; sie waren für ihn eindrucksvoller und wesentlicher als die wechselnden Geschehnisse der Außenwelt.“ So schreibt Franz Liszt, Frédéric Chopins Freund, Kollege und erster Biograf über den Komponisten. Auf diese Biografie bezogen sich Lutz Görner und Elena Nesterenko beim Chopinabend am Samstag im Konzertsaal des Augustinums in Kassel.

Für den Rezitator Görner und die Pianistin Nesterenko ist ein Klavierabend immer auch ein Bühnenereignis. Dieses Bühnenereignis war allerdings nicht eines nur um der Kunst willen, sondern wurde auf das Publikum zugeschnitten. Mit ausdrucksvollem Vortrag und zurückhaltender Gestik zog Lutz Görner die Zuhörer in seinen Bann.

Passend zur Stimmung der Textpassagen hatte das Duo die Musik Chopins gewählt, die Elena Nesterenko zart und gefühlvoll darbot. Mit den bekanntesten und berühmtesten Stücken Chopins wie beispielsweise Trauermarsch, Fantaisie Impromptu oder „Regentropfen-Prelude“ zeichnete die virtuose Pianistin die hochsensible Persönlichkeit des Komponisten am Piano nach, wobei sie die dynamische Bandbreite stellenweise noch weiter hätte ausschöpfen können.

In der zweiten Hälfte des Konzerts verzahnten sich Musik und Text immer stärker und die Musik illustrierte die im Text beschriebene Verzweiflung Chopins aufgrund seines sich verschlechternden Gesundheitszustandes. Besonders hier wurde deutlich, wie sich Chopin mehr und mehr von der Außenwelt abwandte.

Von dieser Dramaturgie mitgerissen, lauschten die zweihundert Zuhörer aufmerksam und berührt und dankten dem Duo mit anhaltendem Applaus.

Im Herbst wird Lutz Görner mit dem Pianisten Boris Bloch mit einem Beethoven-Programm in Kassel sein.

Von Alena Ey

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