Das „Vice“-Magazin ist das digitale Leitmedium der Jugend

Die „Vice“-Reporter sind überall: Josh Homme (von links) und Jesse Hughes von der Band Eagles of Death Metal berichteten Magazin-Mitgründer Shane Smith von den Terroranschlägen in Paris. Der kanadische Journalist reiste für seine Reportagen auch schon nach Grönland (rechts) und Nordkorea. Fotos: Vice

Das "Vice"-Magazin berichtete aus dem Islamischen Staat und interviewte die Eagles of Death Metal nach dem Terror von Paris. Das einstige Punk-Blättchen prägt den Journalismus wie kein anderes Medium.

Voriges Jahr berichtete das Magazin „Vice“ als erstes westliches Medium aus dem Islamischen Staat, nun ist den Reportern wieder ein Coup gelungen: Die Eagles of Death Metal äußerten sich vor der „Vice“-Kamera erstmals über den Terroranschlag auf ihr Pariser Konzert, bei dem am 13. November 89 Menschen starben. Wir stellen das Magazin vor, das von einem kostenlosen Printprodukt zum „wichtigsten digitalen Jugendmedium“ geworden ist, wie es sich selbst nennt.

Was ist das „Vice“-Magazin überhaupt? 

Gegründet wurde es 1994 in Kanada als Punk-Blättchen „Voice of Montreal“. 21 Jahre später ist es ein international operierender Medienkonzern, dessen durch Werbung finanziertes Monatsmagazin eine Auflage von 1,2 Millionen hat. Vor allem aber über die zahlreichen Webseiten wie „Noisey“ (Musik) bis „Vice Sports“ werden 130 Millionen Konsumenten erreicht.

Bislang setzte das „Zentralorgan der Generation Handy“ vor allem auf jugendkulturelle Themen. Geschichten trugen Titel wie „Nur Verrückte und Besoffene gehen in die Kirche - aus dem Leben eines Orgelspielers“, „War Hitler wirklich Vegetarier?“ und „Die Lügen, die Prostituierte ihren Familien erzählen“. Im Englischen steht „Vice“ übrigens für Laster und Sünde.

Wer ist der Macher von „Vice“? 

Das Gesicht der Marke ist der Kanadier Shane Smith (46). Der Sohn eines Programmierers studierte Politik, verbrachte angeblich wilde Jugendjahre in Europa und kam 1996 zu „Voice of Montreal“. Das staatlich geförderte Magazin berichtete vor allem über Punk-Bands. Als sich ein Investor einkauft, zieht die Redaktion nach New York, um näher an den Werbekunden zu sein. Dort kaufen Smith und seine Mitgründer das Magazin zurück und starten als „Vice“ neu.

Dieses Jahr will der Familienvater den Umsatz seines Unternehmens auf fast eine Milliarde Euro verdoppeln. Das wird auch Medienmogul Rupert Murdoch freuen, der seit 2013 mit 52 Millionen Euro an „Vice“ beteiligt ist.

Was macht „Vice“ anders als andere? 

Die 1500 Mitarbeiter in 30 Ländern (darunter 140 in Berlin) setzen vor allem den so genannten Gonzo-Journalismus. Die vom US-Autor Hunter S. Thompson Anfang der 70er-Jahre begründete Erzählweise ist extrem subjektiv und manchmal näher an der Literatur als am Journalismus. Aufgeschrieben wird, was man gerade erlebt. So entstehen Geschichten wie „Ich habe mich eine Woche lang ausschließlich von Nutella ernährt“.

Zudem setzte „Vice“ schon früh auf Online-Videos. In Deutschland laufen die „Vice Reports“ mit hochklassigen Dokus am späten Montagabend auf RTL II.

Wird „Vice“ bald noch wichtiger? 

Für viele junge Leute, die an Kultur und Szenetrends ebenso interessiert sind wie an Politik, ist „Vice“ jetzt schon das wichtigste Medium. 88 Prozent der Nutzer sind zwischen 18 und 34 Jahren. Ab Februar wollen die Internet-Revolutionäre mit dem TV-Sender Viceland auch noch das klassische Fernsehen aufmischen. Beim Punk-Rebellen Smith klingt das dann so: „Wir werden nicht das nächste CNN sein oder das nächste MTV, wir werden zehnmal größer.“

www.vice.com

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