Gitarrist und Liedermacher Werner Lämmerhirt im Schlachthof

Mit viel Charakter

Nachdenklich: Gitarrist Werner Lämmerhirt beim Auftritt im Schlachthof. Foto: Schachtschneider

Kassel. Wenn man ihn so erzählen hört, könnte man manchmal meinen, man lausche einem Feierabendgitarristen: „Ich sitze im Wohnzimmer und spiele Gitarre, und meine Frau sitzt ein paar Meter weiter bei ihrem Facebook.“ Sobald Werner Lämmerhirt aber die Saiten seiner akustischen Gitarre zum Klingen bringt, ist mit derlei Vergleichen sofort Schluss – ein großartiger Gitarrist, ein kreativer Musiker.

Doch nicht nur als Gitarrist wusste der 65-Jährige am Freitag im Schlachthof zu begeistern. Seine verschmitzte Art, sein ironisch-kritischer Blick aufs Leben, seine pointierten Kommentare, die beißen können, aber nie unter die Gürtellinie zielen, machen den in Berlin geborenen Liedermacher und Gitarristen menschlich sehr sympathisch. Ebenso sein spitzbübischer Witz.

Gitarrenkunst und Charakter – eine magnetische Mischung. Der Saal platzte aus allen Nähten. Typisch Lämmerhirt sind auch seine Liedtexte. Als Liebeslied kündigt er das Stück „Bedingungslos“ an. Im Refrain heißt es wenig rosarot: „Ich kann nicht dafür, dass ich sie liebe, wie sie ist.“ Immer wieder punktet er mit seinem speziellen Humor. Drei akustische Gitarren hat Lämmerhirt mit auf der Bühne. Muss er eine nachstimmen, fällt ihm Hannes Wader ein: „Bei dem muss ich darin noch mal Unterricht nehmen.“

Sich selbst nimmt er gern mal auf den Arm: „Ich weiß jetzt, wie ich mein neues Album nennen werde: „Eine halbe Ewigkeit – weil ich daran seit drei Jahren sitze.“ Fast kumpelhaft klingt es, wenn er über seine Kompositionen und Arrangements spricht: „Das Stück hat ziemlich schräge Akkorde, aber wenn man die schnell hintereinander spielt, klingt’s geil.“ Gemeint ist der Titel „Warum eigentlich nicht“. Und wie entwickelt sich einer, der so großartig Gitarre spielt, als Musiker weiter? „Ich spiele gern mal falsch. Warum sollte ich immer nur spielen, was ich kann. Nur über Fehler entwickelt sich was Neues.“ Für seine Gesangsstimme, die an diesem Abend mehr eine Erzählstimme ist, gilt das nicht, und das ist gut so. Sie passt zu dem, was er zu sagen hat, und das ist immer noch viel. Das Publikum bedankte sich dafür mit viel Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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