Das Kammerkonzert des Kasseler Staatstheaters mit Musik von Béla Bartók und Ulli Götte

Viel Farbe und noch mehr Groove

Versiert und fingerfertig: (von links) Rüdiger Pawassar (Marimbafon), Constanze Betzl (Flöte) und Bernhard Betzl (Marimbafon). Foto: Schachtschneider

Kassel. Beim Kammerkonzert im Opernhaus demonstrierte das Kasseler Ensemble trioMotion ausgerechnet vor dem Bühnenbild des „Vetters aus Dingsda“ eine Verwandlung: Wie macht man aus einem deutschen Rhythmus einen bulgarischen? Man verlängere in einem Viervierteltakt die letzte Zählzeit um den Wert einer Achtelnote, und schon hat man einen interessanten, asymmetrischen Takt.

Die Erläuterung hatte einen guten Grund. Béla Bartók (1881-1945), der die Kunstmusik mit Elementen osteuropäischer Folklore aufgefrischt hat, war einer der beiden Komponisten des Abends. Gänzlich unrustikal dabei die Bartók-Arrangements des Perkussionisten Rüdiger Pawassar. Das trioMotion (neben Pawassar der Perkussionist Bernhard Betzl und die Flötistin Constanze Betzl) präsentierte in ausgereiftem Zusammenspiel eine feine Klangpalette. Bartók als Delikatesse.

Toll war auch, dass mit Bartóks Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug eines der großen Meisterwerke des vergangenen Jahrhunderts auf dem Konzertprogramm stand. Zu Bernhard Betzl und Pawassar gesellten sich hier die versierten und fingerfertigen Pianisten Giulia Glennon und Thomas Rimes. Vielleicht hätte der Klavierklang manchmal härter, gemeißelter sein können.

Minimal und originell

Der zweite Komponist war der Kasseler Ulli Götte - eine wichtige Stimme der Minimal Music, aber auch ein Verehrer Bartóks, wie hier aus einer herb-ernsten, für das trioMotion geschriebenen Bartók-Hommage hervorging. Göttes originellen Minimalismus, der Anregungen von Jazz und außereuropäischer Musik aufgreift, machte die Uraufführung der Sextett-Fassung von „Prisma“ deutlich. Schwebende Harmonien und bewegte Passagen mit einem Djembe-Groove (hier: Agnieszka Jablonska) kontrastieren in dem reizvollen Werk. Groovig auch die Zugabe für die kräftig applaudierenden 120 Zuhörer: Göttes „Hymnus“.

Von Georg Pepl

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