Mit viel Gefühl: Drei Singer/Songwriter im Schlachthof

Nadine Fingerhut and Friends im Schlachthof: Die Musikerin umgeben von Dee The Stratman (von links), Lucas Mohr, Daniel Schulz, Carsten Schollmann und Basti Hamel. Foto: Fischer

Kassel. Sieht er nicht aus wie der Liedermacher Heinz Rudolf Kunze im Jugend-Format? Doch der Kasseler Singer/ Songwriter Basti Hamel hat genügend eigene Facetten, um sich vom Vergleich zu lösen. Seine Gesangsstimme kann erzählen, streicheln, aber auch impulsiv aufschreien. Er allein lohnte am Freitag schon den Besuch des Singer-Songwriter-Konzerts im gut gefüllten Schlachthof.

Es war kein Abend der gestandenen Profis, wohl aber einer, der drei vielversprechende Nachwuchsvertreter dieses Genres präsentierte. Zum Auftakt Basti Hamel. Seine selbst geschriebenen Lieder haben Tiefe, Botschaft, aber auch Witz. Über Freundschaft singt er, vom Respekt vor sich selbst, aber auch wie lecker ihm „Flens schmeckt“. Und wenn es jemandem gelingt, gerade mal fünf Minuten auf der Bühne, einen ganzen Saal zum Mitsingen zu bringen, dann sagt das genug über sein Charisma.

Es folgte Carsten Schollmann, ebenfalls mit akustischer Gitarre im Arm. Auch ihm applaudierte man gern. Kritisch, melancholisch und wunderbar poetisch sind seine Texte gestrickt. Beispiel gefällig? „Mit deinem Augenaufschlag baust du Paläste auf.“ Schollmanns Gitarrenspiel erreicht diese Qualität leider nicht. Über Fernweh („Du willst nach Taka-Tuka-Land“), über ein „Leben mit Stil“, aber auch über so manchen Liebeszweifel singt er: „Jetzt sind sie da, die rosaroten Elefanten, und der Verstand kommt da abhanden.“

Dem sensiblen Kritiker folgte die lebensbejahende Poetin Nadine Fingerhut. Eine junge Frau, die gern über Gefühle und Liebe singt und – es sei ihr gedankt – zumeist sogar über die glücklichen Varianten. Optisch pendelt sie zwischen Liedermacherin und Rocklady, emotional zwischen Optimismus und Idealen. Ein Gesicht, das vor Glück strahlt. Selbst wenn sie mal in düstere Gefühlsareale eintaucht – „wir müssen hier raus. Das ist die Hölle“ – hat man das Gefühl, ihre Sonne im Herzen tastet das nicht an. Ihre rockigen Nummern kommen nicht schlecht, die ruhigen aber besser. Seit 2010 hat sie die Musik zu ihrem Beruf gemacht. Offensichtlich ein Beruf, den sie liebt. Das Stück dazu sang sie auch: „Das Leben ist schön.“ Viel Applaus auch für sie.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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