Viel Leben in Todenhausen: Kunst von Stefan Marx im Kunstverein

Gemälde, Zeichnungen, Plattencover, T-Shirts, Plakate: Stefan Marx im Kunstverein. Fotos:  Schachtschneider

Kassel. Stefan Marx hasst das Denken in Schubladen. Der 32-Jährige, einst tief in der Skaterszene verankert, ist glücklich, wenn junge Skater wegen seiner künstlerischen Arbeiten feine Galerien besuchen.

Und natürlich freut er sich, wenn heute Abend zur Eröffnung seiner Schau „Todenhausen“ Gäste aus dem gleichnamigen Frielendorfer Ortsteil in den Kasseler Kunstverein kommen, die sonst womöglich mit zeitgenössischer Kunst wenig anfangen können.

Der Titel seiner Einzelausstellung soll zwar durchaus Rätsel aufgeben. Dabei erschließt er sich vordergründig simpel: In Todenhausen ist Stefan Marx aufgewachsen.

Der große Schriftzug „Ghosttown“, Geisterstadt, auf seiner zentralen Arbeit im Fridericianum bezieht sich aber keinesfalls auf bald ausgestorbene nordhessische Nester. Im Gegenteil: Das aktive Dorfleben zu Hause schätzt er sehr.

Die Installation aus bunt bemalten Stoff-Bannern spiegelt die lebendige Hamburger Demo-Kultur, eine „Dagegen-Bewegung mit dem alten Hafenstraßen-Spirit“, die die vorrangig aus Budgetkürzungen bestehende Politik der Kultursenatorin Karin von Welck unter Beschuss genommen hatte. Marx hat diesen Protest mit Sympathie verfolgt, er hat ihn inspiriert.

Sympathie für den Protest: Stefan-Marx-Installation im Fridericianum.

Eigenständigkeit und Kreativität der Protestformen entsprechen Marx’ Scheu vor Festlegungen. Er besetzt „die totale Nische“, will sich nicht auf Mechanismen und „Karrieredenken“ des Kunstmarkts beschränken, diesen „Galerien-Wahnsinn“, durch den Bilder bei Sammlern in Depots landen: „ein toter Prozess“. Marx sucht andere, demokratischere Verwertungs- und Distributionswege. Also gestaltet er Plattencover, T-Shirts, Magazine (selbst geheftete und getackerte „Zines“). Seine Editionen vertreibt er teils in Eigenregie, teils über Label und Verlage.

Dieses „Crossover“, wie es der Kunstverein nennt, in einer gleichwohl einheitlichen, oft schwarz-weißen Bildsprache zeichnet sich durch Spontaneität, Unmittelbarkeit, Ironie, Witz aus: Ein unfertiges, spielerisches Sich- und etwas Ausprobieren. Wo immer er geht und steht, beobachtet und zeichnet Stefan Marx, der im Gespräch gleichzeitig geerdet und offen wirkt. Stets hält er Zitate, Sprüche fest. Aus diesen Skizzen und Slogans entstehen auch großformatige Gemälde („Ölzeichnungen“) oder Air-Brush-Bilder direkt auf der Wand.

Auch „Do it yourself“ ist für Marx ein wichtiges Stichwort. Man möchte ein Lieblings-Shirt, ein Bild übers Bett? Selber machen. Begriffe wie „Street Art“ und „Graffiti“ allerdings wehrt Marx ab. Bloß sich nicht festlegen lassen.

Kunstverein, Fridericianum, bis 2.10., Eröffnung heute, 19 Uhr, mit Florian Waldvogel, Direktor des Hamburger Kunstvereins, Musik von Peter Kersten aka Lawrence/Dial Records. Mi-So 11-18 Uhr, Eintritt: 4/2 Euro, Mi frei, Tel. 0561/771169, www.kasselerkunstverein.de

Von Mark-Christian von Busse

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