Die Kantorei Kirchditmold feiert ihr 100-jähriges Bestehen mit außergewöhnlichen Aufführungen

Viel mehr als nur ein Chor

Wichtige Stimme im Kasseler Kulturleben: die Kantorei Kirchditmold bei einer Probe 2010 mit Michael Gerisch. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Die Kirchditmolder Kirche an der Schanzenstraße ist weithin sichtbar. Ebenso weit strahlt in Kassel die Kantorei Kirchditmold aus. In diesem Jahr richtet sich die Aufmerksamkeit besonders auf den traditionsreichen Chor - er feiert sein hundertjähriges Bestehen.

Von einem Chor zu reden, ist dabei eine arge Untertreibung: 125 Mitglieder umfasst die Kantorei, 80 bis 90 sind regelmäßig in dem Gemeindechor aktiv. Doch dazu kommen rund 40 Sängerinnen und Sänger des Seniorenchors, die 40 Stimmen des Kinderchors bis 14 - und der Chor der ganz Kleinen, die „Kirchenmäuse“.

Seit 1992 leitet Kirchenmusikdirektor Michael Gerisch die Kantorei, ein Kirchenmusiker, der alles verbindet: künstlerische Kompetenz, kirchlich-theologisches Engagement, Temperament und unbändige Energie. Anders wäre ein „Unternehmen“ wie die Kantorei Kirchditmold auch nicht zu leiten.

Es war im Jahr 1911 zu Pfingsten, als nach einem Blitzschlag der renovierte Kirchturm eingeweiht wurde. Der Organist Martin Brand beschloss, einen Kirchenchor zu gründen, um im Einweihungsgottesdienst ein Te deum zu singen. Der Chor blieb bestehen, auch über die Amtszeit Brands hinaus. Georg Schmidt (ab 1933), Joachim Fenner (ab 1948) und Liv Spatz (ab 1963) waren die nächsten Chorleiter.

Eine bedeutende Ära der Kantorei begann, als 1968 Ludwig Prautzsch die Leitung übernahm. Fast ein Vierteljahrhundert lang prägte er den Chor und festigte seinen Ruf mit großen, denkwürdigen Aufführungen - darunter Bachs h-Moll-Messe, die Oratorien von Mendelssohn, das Brahms-Requiem. Aber auch neuere Kirchenmusik von Pepping, Distler und anderen führte Prautzsch auf.

Michael Gerisch knüpfte an Prautzschs Arbeit an und setzte gleichzeitig eigene Akzente. Der Ausbau der Kantorei zu einer Familie von Chören gehört dazu. Dank seiner sächsischen Wurzeln kann Gerisch für seine Aufführungen auf hochkarätige Solisten aus Leipzig und Dresden zurückgreifen.

Aufhorchen ließ Gerisch, für den Kirchenmusik stets der Verkündigung zu dienen hat, zuletzt durch einige besondere Projekte: 2008 schlossen sich Gerisch und die Kantorei Kirchditmold mit der Kantorei St. Martin und Eckhard Manz zu einer gemeinsamen Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium zusammen. Im Spohr-Jahr 2009 wurde das Spohr-Oratorium „Des Heilands letzte Stunden“ mit großem Erfolg aufgeführt, und im Vorjahr war die Aufführung von Rudolf Mauersbergers „Dresdner Requiem“ ein Konzerthöhepunkt der Kasseler Kirchenmusikszene.

Im Jubiläumsjahr 2011 ist die Kantorei Kirchditmold in vielfältiger Weise in Gottesdiensten und Konzerten präsent. Höhepunkte werden zwei große Konzerte im Frühjahr und im Herbst sein.

Am Pfingstsonntag, 12. Juni, wird die Kantorei (wie im Gründungsjahr) ein Te deum aufführen - ein Auftragswerk des Kasseler Komponisten Michael Töpel für Chor, Solisten und Orchester. Und am 6. November wird die Kantorei im Rahmen der Kasseler Musiktage das Brahms-Requiem mit den Solisten Katharina Persicke (Sopran) und Wolfgang Brendel (Bariton) aufführen.

Von Werner Fritsch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.