Günther Uecker wird heute 80 Jahre alt

Viel mehr als Nägel

Wer zählt die Nägel, die Günther Uecker in seinem Leben eingeschlagen hat? Heute wird der Künstler 80 Jahre alt. Foto: dpa

Auch wer sich wenig für zeitgenössische Kunst interessiert, dürfte Günther Ueckers Werke sofort erkennen: Er ist der Mann mit den Nägeln. Seit den 60ern schlug Uecker, der heute 80 Jahre alt wird, für seine Kunst Nägel in Platten, Stühle, Tische und selbst in ein Klavier.

Doch hat Uecker eben längst nicht nur mit Nagelreliefs gearbeitet, sondern mit Baumstämmen und -scheiben, Steinen, Leinentüchern, Kohle und Asche. Holzschnitte, Zeichnungen, Aquarelle und übermalte Fotos sind demnächst in Siegburg zu sehen. Für Götz-Friedrich-Inszenierungen hat der mehrfache documenta-Teilnehmer Bühnenbilder geschaffen und auch eine „Wilhelm-Tell“-Aufführung am Originalschauplatz auf der Rütli-Wiese am Vierwaldstättersee ausgestattet.

Der im mecklenburgischen Wendorf geborene Bauernsohn hat einen langen Weg zurückgelegt: von seiner Ausbildung in der DDR über ein Studium in Düsseldorf, wo er später selbst viele Jahre an der Kunstakademie unterrichtete, von der Gründung der Nachkriegs-Künstlergruppe Zero (neben Otto Piene und Heinz Mack) bis zur größten Einzelausstellung, die einem deutschen Künstler je im sowjetischen Moskau ermöglicht wurde. Auch den Andachtsraum des Reichstags in Berlin gestaltete Uecker.

Die Prägung durch Religion ist für ihn ebenso ein Thema wie Krieg und Gewalt. Wollte er früher „Licht artikulieren“, weicht er dem politischen Gehalt seiner Kunst nicht aus. In Peking sagte man eine Uecker-Schau ab, in Taschkent (Usbekistan) wurden den Menschenrechten gewidmete Arbeiten abgehängt. Dass der dreifache Vater ein Klassiker der Gegenwartskunst ist, zeigt auch der Markt. Kürzlich erzielte ein früher Uecker in London 940 000 Euro - natürlich ein Nagelbild.

Von Mark-Christian von Busse

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