Fachbereich Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung lädt zum Rundgang ein

Viel mehr als Planspiele

Studentische Ideen zuhauf: Die Rundgangs-Besucher Erich und Ruth Rosner betrachten das Modell einer Überbauung der Ahna auf dem Campus. Foto: von Busse

Kassel. Wir alle haben jeden Tag Architektur in den Händen - auf den Euro-Geldscheinen, die stilisierte Embleme berühmter Baustile zeigen. Statik und Proportionen seien grafisch jedoch „richtig blödsinnig“, sagt Prof. Dipl.-Ing. Maya Reiner vom Fachgebiet Entwerfen und Gebäudelehre des Fachbereichs Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung (ASL) der Uni Kassel.

Und deshalb haben die ASL-Erstsemester Geldnoten entworfen, die Kasseler Architektur einbeziehen. Zu sehen sind sie beim dreitägigen Rundgang der Architekten, Stadt- und Landschaftsplaner auf dem Campus. Er bietet eine Bestandsaufnahme für den Fachbereich, ist aber auch für die Öffentlichkeit gedacht. Denn Planer stehen „immer im Fegefeuer“, wie die Professorin sagt - also im Kreuzfeuer öffentlicher Debatten.

Das muss so sein, wie in Ateliers und Seminarräumen deutlich wird. „Wir planen keine Luftschlösser“, sagt Joana Al Samarraie, die im fünften Semester ist, vom interdisziplinären und eigenständigen Studium und der Betreuung durch Tutoren schwärmt und den Rundgang mitorganisiert hat. Fast immer sei der Wissenserwerb mit aktuellen Kasseler oder regionalen Projekten verknüpft: „Wir gehen nicht morgens zur Vorlesung und dann nach Hause“, sagt Student Nils Schellenberg, „dann geht die Arbeit erst richtig los.“

Das projektbezogene Lernen unterstreicht Professorin Reiner. Ziel seien Persönlichkeitsbildung und Eigeninitiative. Sie beklagt allerdings „qualvolle Enge und personelle Überlastung“.

Planen, sagt Reiner, sei immer die „Vorwegnahme von Realitäten“. Beispiele gibt es viele. Da ging es darum, für Brach- und Grünflächen rund um die Valentin-Traut-Schule in Rothenditmold jugendgerechte Nutzungen - etwa in Form von Skaterflächen - zu entwerfen oder Lücken auf dem Campus zu schließen, ohne die verbliebenen Grünflächen gänzlich zuzubauen.

Andere Studierende überlegten, wie Wohnen an der Ahna durch ein Kulturzentrum attraktiver gestaltet oder wie das Areal des Güterbahnhofs genutzt werden könnte. „Das sind alles nur Planspiele“, schränkt Erstsemester Marco Stenck ein.

Einen handfesten Auftrag gab Hessen-Forst den erfahreneren Studierenden: ein transportabler, einfach auf- und abzubauender Ausstellungs-Pavillon aus Holz, der beim Hessentag genutzt werden kann.

Die Uni-Räume sahen noch am Montag aus wie ein „aberwitziger Saustall“, berichtet Reiner, weil eifrig gewerkelt und gebaut wurde. Jetzt werben ein Leitsystem, Flyer und Plakate für die Präsentationen, die zur Diskussion gestellt werden. Besucher willkommen.

Heute ab 10.30, morgen ab 9.30 Uhr. K 10, Henschelstr. 2, sowie Häuser Hafeka und Kolbenseeger, Gottschalkstr. 26 und 28. www.uni-kassel.de/asl/rundgang

Von Mark-Christian von Busse

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