Mehr als nur Schlager

Helene Fischer verwöhnt Fans mit großer Show

Sinnlich und stimmlich herausragend: Helene Fischer bei ihrem gefeierten Auftritt in der Kasseler Eissporthalle. Foto: Andreas Fischer

Kassel. Schlagerstar Helene Fischer in der Kasseler Eissporthalle - das hatte was von Noisette-Trüffel in einer Tupperdose. Bier aus dem Plastikbecher, Klappstühle und Bandenwerbung passten so gar nicht zu dem Glamour eines Showstars, der viel mehr zu bieten hat als Discofox und intellektfreies Knabbergebäck für so mal nebenbei.

Doch selbst die bedrückende Atmosphäre dieses Funktionsbehälters verschwand beim Löschen des Saallichtes, da man sich dem Charisma Fischers, der Faszination der Bühnenbilder und der konzeptionellen Dichte des Programmablaufs zu keiner Zeit entziehen konnte.

Tänzer, Pantomimen, ein großes Orchester und Videoeinspieler (Michael Bolton als Gesangspartner bei „The Prayer“) flankierten die 26 Jahre alte Ausnahmesängerin und ihre Band und sorgten für ein fulminantes Konzerterlebnis mit einer kräftigen Musical-Attitüde. Fischer will sich nicht festlegen lassen auf das Image einer Schlagerprinzessin, die sich nur mit der Reproduktion eines erfolgreichen Songs beschäftigt und eingleisig durch die Charts rotiert.

Ihre russischen Wurzeln blitzten auf, ein Queen-Medley präsentierte sie als wilde Rocklady, und sie konnte ebenso ein sexy Pokerface aufsetzen wie Lady Gaga. Apropos sexy. Ihre Garderobe betörte durch sinnliche Form- und Farbgebung. Sie wusste bei jeder Bewegung um das optische Maximum ihres Outfits.

Dabei beherrschte sie alle Varianten des körperlichen Entertainments. Ob in Weiß als romantische Feengestalt bei „Memories“ (aus „Cats“), als Barsängerin mit Hot Pants bei „Big Spender“ oder als russisches Generalmodel bei „Poljuschka Pole“ - stimmlich absolut auf der Höhe und mit der Eleganz einer Grace Kelly gesegnet, verfolgt sie immer das Ziel der absoluten Intensität.

Gespür für richtige Songs

Der große dramaturgische Wurf gelang Fischer und ihrem Team jedoch mit der Einbindung ihrer eigenen Hits wie „Mitten im Paradies“, „Du hast mein Herz berührt“ und „Ewig ist manchmal zu lang“ in das international gestaltete Programm. Fließende Übergänge und das Gespür für den passenden Song zur richtigen Zeit sorgten dafür, dass schon während des Konzertes stehend applaudiert wurde.

Dass Techniker Jens reichlich Geschenke von der Bühne tragen musste, Hornist Igor aus Weißrussland 20 Euro für ein deutsch gesprochenes Kompliment erhielt und Fischer das Orchester in das rhythmische Niemandsland dirigierte, gehörte zu den heiteren Momenten. So jedenfalls macht die neue Schlagergeneration Spaß, und auch als Musiker im Publikum verfällt man nicht in Depressionen. Fazit: klasse Stimme, tolle Show und viel Applaus.

Von Andreas Köthe

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