Helmut-Newton-Stiftung zeigt in Berlin Bilder aus den Büchern des deutsch-australischen Fotografen

Viel mehr als schöne Frauen

Der Künstler beim Arbeiten: „Selbstporträt mit Ehefrau und Models“ von Helmut Newton, Paris 1981.

Berlin. Helmut Newton vermittelte durch die Nacktheit in seinen Fotografien ein Gefühl für den gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Offenheit. Die Helmut-Newton-Stiftung zeigt nun in Berlin großformatige Fotografien aus drei Fotobänden Newtons „White Women“ (1976), „Sleepless Nights“ (1978) und „Big Nudes“ (1981).

Mit 56 Jahren brachte Newton seinen ersten Fotoband heraus. In der „White Women“-Serie sind das Model Veruschka, die Schauspielerin Charlotte Rampling und Modedesigner Karl Lagerfeld, alle sehr attraktiv in ihren besten Jahren, zu sehen. Newton lichtete das Schöne ab: Schauspieler in italienischen Schlössern und Models, die sich am Pool in St. Tropez tummeln.

Helmut Newtons Stil änderte sich mit „Sleepless Nights“ und „Big Nudes“. Die Darstellungen konzentrierten sich auf der einen Seite mehr auf den modischen Aspekt. Die Reihe „Naked & Dressed“ lichtete eine Gruppe von Models einmal nackt und einmal bekleidet ab. Sie wurden in der französischen und italienischen Ausgabe der „Vogue“ abgedruckt. Auf der anderen Seiten experimentierte Newton mit sexuellen Tabus. „Saddle I“ (1976) zeigt eine halbnackte Frau mit einem Sattel auf dem Rücken auf allen Vieren kniend, lüstern blickt sie in die Kamera.

Newtons Fotografien sind erotisch und ästhetisch mit heute noch außergewöhnlichen Blickwinkeln. Wegen seiner Darstellungen war er ein Leben lang umstritten, beispielsweise Alice Schwarzer kritisierte den 2004 verstorbenen Fotografen. Sie beschrieb seine Werke als „kühl kalkulierte Hochglanzprodukte für einen expandierenden Sadomaso-Markt“.

Neben der aktuellen Ausstellung sind persönliche Gegenstände Helmut Newtons im Erdgeschoss des Museums zu sehen. Ausgestellt sind dort Arbeitsutensilien des Fotografen wie Kameras, aber auch Schamhaartoupets für die Fotografien. Den Besucher erwarten eine Nachbildung der Wohnräume und zahlreiche Briefe Newtons – auch an Gerhard Schröder.

Bis 18. November, Museum für Fotografie, Jebensstr. 2, Tel. 030/31864856, www.helmut-newton.de

Von Claudia Schittelkopp

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