Die Nachrichtenmeisterei stellt 13 Künstler in der Turnhalle am Kulturbahnhof aus

Viel Platz zum Austoben

Spielraum für Kunst: Die alte Turnhalle hinter dem Kulturbahnhof soll ständig für Ausstellungen genutzt werden. Im Vordergrund: Romina Abates „Trampolin“. Fotos: von Busse

Kassel. Hier kann kein Kind fröhlich hüpfen. Das Trampolin, das Romina Abate in der alten Turnhalle hinter dem Kulturbahnhof platziert hat, steht auf so hohen Füßen, dass es ohne Leiter nicht zu erreichen wäre. Auch dann wäre das Springen zu gefährlich. Mit dem Sportgerät mit den merkwürdig verzerrten Proportionen - eines der Exponate in der Ausstellung „Spielräume I“ - nimmt die Studentin an der Kasseler Kunsthochschule Bezug auf den Ort der Schau und konterkariert gleichzeitig dessen ursprünglichen Zweck.

Doch wer mag, kann in der ehemaligen Betriebssporthalle der Bahn zurzeit tatsächlich Sport treiben. Axel Kretschmer hat ein Seil gespannt. Wer mit den bereitliegenden Schlägern Federball spielt und das fast unsichtbare „Netz“ berührt, löst einen Klang aus, der ins Mark fährt. Schon zur Eröffnung bei der Museumsnacht hatte Kretschmer Klangperformances gemacht. Für die „Partitur für Lupofo“ war er mit einem Rad, bei dem ein Reifen durch ein Nudelholz ersetzt war, über Luftpolsterfolie gefahren - die platt gedrückte Folien-Reihe durchzieht die Halle in ihrer ganzen Länge.

Organisiert hat die Ausstellung die Nachrichtenmeisterei. Die von Alexandra Berge und Sebastian Fleiter gegründete Initiative von Künstlern und Kreativen, die sich in Bahngebäuden angesiedelt hat, will die Turnhalle verstärkt nutzen, um Kasseler Künstlern Ausstellungsflächen zu ermöglichen.

Weidlich genutzt hat den Spielraum das Künstler-Duo „Schaum und Rausch“ für eine wilde Performance mit Ketchup, Popcorn und Laubsauger. Die Hinterlassenschaften wirken wie die Überreste einer Splatterorgie: durchaus eklig.

Beileibe nicht alle 13 Positionen erschließen sich mühelos. Doch ist zu wünschen, dass die Ausstellungsmacher den attraktiven Ort beharrlich und auf Dauer für die Kunst und die Stadt erobern. Bis 11.9., Turnhalle, Franz-Ulrich-Straße, täglich 17-22 Uhr.

Von Mark-Christian von Busse

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