Das Märchen-Popmusical Cinderella in der Stadthalle schillerte, wärmte aber nicht

Viel Pracht, wenig Herz

Glanzvolles Hochzeitsfinale: (von links) Traummann Prinz Fabian (Oliver Arno), die Fee und Heiratsvermittlerin (Nina Hendrich) und das Aschenputtel Cinderella (Hanna Kastner) im Brautkleid. Rechts ihre ausgewählten Begleiterinnen. Foto: Socher

Kassel. Von null auf eins – vom Aschenputtel zur Prinzgemahlin. Eine der schönsten Erfolgsgeschichten im Märchenland ist mit dem Namen „Cinderella“ verbunden. Tugendhaft, schön und fleißig ist sie und hat gerade deswegen unter dem Joch ihrer faulen, zänkischen Stiefschwestern zu leiden. Bis eine gute Fee ihr den Weg in das Herz eines Prinzen ebnet.

Cinderella als „märchenhaftes Popmusical“ lockte am Dienstag 450 Besucher in die Stadthalle. Etwa die Hälfte davon: Kinder im Alter zwischen drei und neun Jahren. Die Bühnenhandlung orientierte sich überwiegend an dem Original, die Inszenierung jedoch nur bedingt an dem, was Kinderherzen höherschlagen lässt.

Da halfen auch zahlreiche Animationsversuche bei „Freundesliedern“ wenig. Die Ambivalenz: Mit Bühnenpracht, Licht, Kostümen und Effekten wurde geklotzt – Lob dafür. Auch für die Darsteller, besonders Cinderellas Tierfreunde, ein Hund, eine Taube, ein Igel, eine Maus und ein permanent pupsendes Stinktier. Sie avancierten zu den Lieblingen der Kinder.

Dennoch fehlte der Inszenierung das Wichtigste: das Herz. Eine Figur wie Cinderella lebt davon. In dieser Inszenierung bekam die Hauptdarstellerin (Hanna Kastner) wenig Gelegenheit, Empathie zu erzeugen. Gleiches gilt für ihre Mitspieler. Ihre Charaktere blieben blass oder bruchstückhaft und kontrastierten zu wenig.

Musical-Fastfood

Und die Lieder? Überwiegend gut gesungen, jedoch wenig mitreißend. Musical-Fastfood. Ein, zwei Ausnahmen – Cinderellas Liebes-Duett mit dem Prinzen (Oliver Arno) zum Beispiel – der Rest war wenig sättigend. Einige Lieder wären gar besser für eine Karnevalsveranstaltung geeignet.

Nach der Pause wurde es besser. Die Titelfigur wurde etwas gefühlvoller gezeichnet, und die Regie holte auch schon mal den Zauberstab heraus. So als Cinderella in dunkler Nacht von der Fee ihr glitzerndes Ballkleid bekam.

Zum Hochzeitsfinale durften sechs von unserer Zeitung bei einem Casting ausgewählte Kinder in Kostümen auf die Bühne und die Brautbegleitung spielen. Da waren allerdings schon über zwei Stunden Spielzeit vergangen. Für Kinder keine märchenhafte Zeitspanne. Am Ende gab’s dennoch freundlichen Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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