Das Ensemble Theater am Fluss feierte mit „Ein Winternachtstraum“ eine gelungene Premiere

Viel Theater im Theater

Engagiertes Spiel: Zu den Mitwirkenden in „Ein Winternachtstraum“ gehören (von links): Robin Jäger, Jeannine Kollatz, Rene Spitzer, Frank Böck, Annika Zaich, Mario Diehl, Klaus Fischbach, Andrea Glowig und Erna Fertinger. Foto: Schachtschneider

Kassel. Joe (Rene Spitzer), ein von Finanznöten und Misserfolgen gebeutelter Regisseur, hat die Vision, Shakespeares „Hamlet“ aufzuführen. Nach einem wilden Casting mit allerlei schrägen Bewerbern hat Joe ein Ensemble zusammen, das in etwa so gut harmoniert wie ein Bündel verstopfter Blutbahnen. So beginnt das Stück „Ein Winternachtstraum“, angelehnt an den gleichnamigen Film des irischen Schauspielers Kenneth Branagh. Es erzählt die Geschichte einer Verlierergemeinschaft, deren Projekt keine Aussicht auf Erfolg hätte – wäre da nicht der Faktor „Mensch sein“. Das Theater am Fluss hat das Stück erarbeitet, die Premiere am Freitag in der Halle 2 war bestens besucht.

Alte Wunden, Ablehnung und Fassade dominieren die „Hamlet“-Castings: Der selbstgefällige Henry (Klaus Fischbach) übertüncht verblassten Bühnenruhm mit Arroganz und Ablehnung gegenüber dem homosexuellen Mitspieler Terry (Frank Böck). Dessen Lebensgeschichte wird überschattet von einem unehelichen Sohn, der seit Jahren auf der Suche nach ihm ist. Auch die Fassaden der anderen Mitspieler bröckeln im Laufe der Proben und schweißen die Gruppe schließlich zusammen. „Das wird ein Stück von sehr wahnsinnigen, aber sehr enthusiastischen Menschen“, bringt es Joe auf den Punkt. Es gibt in der Aufführung viel zum Lachen – und zum Mitfühlen. Trotz aller komödiantischen Überzeichnung – durchgeknallte Proben, verrückte Charaktere, tragikomische Dialoge – sind die menschlichen Profile sehr sensibel herausgearbeitet. Lang anhaltender Applaus für die starken Darsteller und die Regie von Viktor Dell.

Es spielten: Rene Spitzer, Judith Féaux de La Croix, Robin Jäger, Frank Böck, Jeannine Kollatz, Erna Fertinger, Klaus Fischbach, Mario Diehl, Andrea Glowig, Nadine Bannach, Annika Zaich, Katrin Töppe und Sascha Renee Bornemann.

Weitere Aufführungen: 28. bis 30. November in der Halle 2, Grüner Weg 15-17.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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