Zu viel und zu wenig: Phela und Lola Marsh im Kulturzelt

Viel los im Kulturzelt: Phela (von links) und ihr Kollege Tex sowie Yael Shoshana Cohen vom israelischen Pop-Duo Lola Marsh (hinten Rami Osservaser). Fotos: Malmus

Mit tollen Auftritten überzeugten die Berliner Songwriterin Phela und das israelische Pop-Duo Lola Marsh im Kulturzelt Kassel. Und trotzdem war man hinterher nicht richtig zufrieden.

Kassel. Mathematisch gesehen sind Doppelkonzerte ein Phänomen. Einerseits bekommen Musik-Fans 100 Prozent mehr Künstler geboten als bei einem herkömmlichen Auftritt. Andererseits gibt es von beiden auch weniger Musik, weil jedes Set kürzer ist als sonst.

Insofern war auch der Mittwochabend im Kasseler Kulturzelt mit den Songwritern Phela und Tex sowie dem israelischen Pop-Duo Lola Marsh ein Kompromiss, an dessen Ende man sowohl zufriedene als auch enttäuschte Gesichter sah.

Phela und Tex

Genau betrachtet war das Doppelkonzert sogar ein Dreierabend. Die aus der Oberpfalz stammende Phela trat nicht nur mit Band, sondern auch mit Tex auf. Der heißt eigentlich Christoph Drieschner und hat mit seiner Reihe TV Noir im Heimathafen Neukölln das Musikfernsehen neu erfunden.

Dort treten vor allem Newcomer wie Phela auf, von der man in Kassel gern mehr gehört hätte. Etwa ihren Hit „Wieder alleine“, der bei Spotify bereits mehr als eine Million Mal gestreamt wurde.

Es sagt einiges aus über die 27-Jährige, dass sie selbst ohne ihren allerbesten Song überzeugen kann. Das Markenzeichen ihres opulent arrangierten Pop ist die Geige, die sie bisweilen wie eine Gitarre zupft. In Hannover hat die Künstlertochter, die eigentlich Raphaela Beer heißt, Jazzgeige studiert, ehe Musikproduzenten sie nach Berlin lockten.

Mit ihrer vierköpfigen Band muss sie sich immer wieder an den Bühnenrand setzen, damit Tex allein seine traurigen Lieder auf der Gitarre spielen kann. Weniger Personal wäre hier zweifellos mehr gewesen. Doch dann spielen alle zusammen Tex’ ebenso melancholisches wie ironisches Liebeslied „Cola“ und man bekommt tatsächlich Gänsehaut.

Lola Marsh

Das Einzige, was bei Lola Marsh fehlte, waren Gänseblümchen. Die Mikroständer des live zum Quintett angewachsenen Duos aus Tel Aviv sind mit Blumen geschmückt. Selbst das Dekolleté von Sängerin Yael Shoshana Cohen wird von Flower-Power überdeckt.

Es wäre jedoch falsch, den Dreampop von Lola Marsh als Hippie-Sound zu bezeichnen. Es ist moderne Retro-Musik. Bisweilen klingt Cohen wie eine gut gelaunte Lana Del Rey, deren Hit „Video Games“ sie einst in einer israelischen Castingshow coverte.

Lola Marsh haben nicht mal ein richtiges Album veröffentlicht, aber schon einen halben Welt-Hit gelandet. „You’re Mine“ besticht durch eine 80er-Jahre-Synthie-Melodie und einen „Ohohoh“-Chor, zu dem das ganze Zelt nicht anders kann als mitzuklatschen.

Cohen, die wie eine Doppelgängerin der Schauspielerin Penelope Cruz aussieht, und ihr im Hintergrund agierender Gitarrist Gil Landau haben sichtlich Spaß. Einer der 400 Besucher ist sogar derart hin und weg, dass er hinterher bei Facebook schreibt: „Es fehlte nur der Regenbogen zum Heimgleiten. Lola Marsh bitte wieder in 2017, 2018 und 2019.“ Au ja, aber dann bitte einen ganzen Abend lang.

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