Der junge „Tatort“-Star Nora von Waldstätten im Interview über seine Rolle im Terroristen-Film „Carlos“

„Es gab viele blaue Flecken“

Im Terroristen-Drama „Carlos“ spielt Nora von Waldstätten die Deutsche Magdalena Kopp, die sich in den 70er-Jahren in den Top-Terroristen Ilich Ramirez Sanchez, genannt Carlos, verliebt. Bekannt wurde die Wiener Schauspielerin mit einer „Tatort“-Rolle als eiskalte Killerin. Am Donnerstag kommt „Carlos“ in die Kinos.

Hätten Sie gedacht, dass Ihnen der „Tatort“ einen ähnlichen Durchbruch bescheren würde wie Nastassja Kinski?

Nora von Waldstätten: Beim Drehbuchlesen war mir schon klar: Diese Figur hat Potenzial. Als ich „Herz aus Eis“ dann beim Filmfest Hamburg auf der großen Leinwand sah, herrschte eine irritierende Stille. Anschließend waren nicht wenige Zuschauer verblüfft, als sie mich leibhaftig erlebt haben - weil ich privat anders bin als diese Figur.

Stört es Sie, dass Ihnen seit diesem Auftritt als coole Killerin das Prädikat „die eiskalte Schöne“ anhängt?

Waldstätten: Es war ja die Zielvorgabe, eine Figur zu schaffen, die rücksichtslos und eiskalt ist. Insofern kann ich mit diesem Prädikat gut leben. Für mich lag der Reiz der Rolle darin, die Verletzung dieser Figur zu finden: Warum wird jemand so rücksichtslos?

Acht Millionen „Tatort“-Zuschauer und frenetische Kritiken - wie weit ist man auf solchen Ruhm vorbereitet?

Waldstätten: Damit kann und sollte man nicht rechnen. Natürlich ist es ein Traum, wenn es eine Rolle gibt, die so viele Menschen erreicht. Es war schön, mit dieser Figur eine Marke gesetzt zu haben. Das Medienecho war schon verrückt: Ich war damals zwei Wochen damit beschäftigt, Interviews zu geben.

Der Höhenflug ging mit „Carlos“ weiter: Es gab Ovationen beim Festival in Cannes. Haben Sie Angst vor dem Absturz?

Waldstätten: Jetzt ist der eine oder andere Gipfel erklommen, aber das ist kein Grund, sich zurückzulehnen.

Angeblich haben Sie mit Ihrem Partner Édgar Ramírez alias Carlos ausgemacht, sich vor der Kamera nicht zu schonen?

Waldstätten: Wir haben uns tatsächlich versprochen: Alles außer Krankenhaus ist erlaubt. Olivier Assayas ist ein Regisseur, der seinen Schauspielern Vertrauen schenkt. Deshalb möchte man sein Bestes geben. Édgar und ich wussten, dass die Rollen richtige Kaliber sind. Dafür möchte man gern Federn lassen.

Wie viel blaue Flecken haben Sie davongetragen?

Waldstätten: Es gab schon viele blaue Flecken, auch emotional. Diese Frau wird geschubst, auch geschlagen. Da habe ich emotionale Erschöpfung gespürt - vor allem an drehfreien Tagen. Dann war ich in meiner Wohnung in Berlin und habe einfach geschwiegen. Ich musste mich richtig sortieren, weil mich das alles mitgenommen hat.

Wie viel Mut bedarf es, sich vor der Kamera auszuziehen?

Waldstätten: Das Sexuelle spielt für Carlos und Magdalena bereits bei der ersten Begegnung eine wichtige Rolle und wird zu einem Machtspiel der beiden. Natürlich sind solche Sexszenen nicht ohne.

Warum wollten Sie die reale Magdalena Kopp nicht treffen?

Waldstätten: Ich habe mich bewusst gegen ein Treffen entschieden, denn die Frau, die ich jetzt angetroffen hätte, wäre eine ganz andere gewesen als die, die ich gebraucht habe. Meine Aufgabe war es, ein Innenleben zu erforschen und zu gestalten. Ihre Reaktion auf meine Interpretation würde mich allerdings interessieren.

Können Sie diese Frau Kopp mittlerweile besser verstehen?

Waldstätten: Ich finde wichtig, dass man einer Rolle nicht mit seiner persönlichen Beurteilung gegenübertritt. Meine private Meinung hat da nichts zu suchen.

Von Dieter Osswald

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