Neu im Kino: „Moon“ ist ein philosophischer Science-Fiction-Film im Retro-Design

Wie viele von mir gibt es?

Einsamkeit: Sam Bell (Sam Rockwell) arbeitet ganz allein auf einer Mond-Station. Foto:  nh

Der Mann im Mond hat einen einsamen Job. In Duncan Jones’ Film „Moon“ heißt er Sam Bell und soll in einer unbestimmten Zukunft in unwirtlichster Umgebung den Abbau des Rohstoffes Helium-3 überwachen, der die Energieprobleme auf unserem Planeten löst. Ein Konzern beutet den Erdtrabanten aus - und wie sehr auch seinen einzigen Mitarbeiter da draußen im All, das wird schon bald klar.

„Ground Control to Major Tom“: Duncan Jones hörte womöglich schon an der Wiege Weltall-Klänge, sein Vater ist David Bowie, der 1969 die legendäre Raumschiff-Hymne „Space Oddity“ schuf. Fest steht, dass der Regisseur ein großer Fan des Genres Science-Fiction ist, sein Spielfilmdebüt ist eine Verneigung vor Klassikern des Genres wie „Lautlos im Weltraum“, „2001“ und „Blade Runner“. Vor allem im Design der Raumstation mit ihren weißen, achteckigen Formen und ihrer altmodischen Computerschrift ehrt Jones seine Vorbilder. An manchen Stellen verbeugt er sich allerdings so tief, dass die Retro-Betrachtung einen eigenständigen Akzent nicht mehr erlaubt.

Doch da, wo sich „Moon“ auf sein Thema konzentriert, ist der Film stark: eine konsequente Studie der Einsamkeit. Sam (Sam Rockwell) lebt seit fast drei Jahren auf der Station. Er züchtet Pflanzen und baut Modellhäuschen. Nur der Computer Gerty (im Original mit Kevin Spaceys einschmeichelnder Stimme) assistiert ihm, bereitet das Frühstück, schneidet ihm die Haare, ist sein Gesprächspartner.

Seine Familie sieht Sam nur per Videobotschaft. Nur noch wenige Wochen, dann darf er zurück. Doch dann muss Sam weit in den Staub hinausfahren, um etwas zu reparieren, und auf einmal ist das Leben nicht mehr, wie es war.

Sam entdeckt einen Klon seiner selbst, der mit einem Arbeitsfahrzeug verunglückt war. Er bringt ihn auf die Station zurück. Und jetzt erweitert sich der Film in zwei Richtungen: Vordergründig wechselt er ins Thrillerfach. Aber hintergründig wird die Studie der Einsamkeit um eine philosophische Dimension ergänzt, die man unter das Thema „Wer bin ich, und wenn ja: wie viele?“ stellen kann. Sam und Sam hassen sich aus tiefer Verunsicherung. Wer ist dieser andere, der ich ist? Doch sie arrangieren sich, entdecken das gruselige Geheimnis der Station und planen einen Befreiungsschlag.

Duncan Jones kommt ohne großes Budget, Materialschlachten und bombastische Bilder aus dem All aus. Spezialeffekte gibt es nur in der lässig inszenierten Begegnung der Klone. Jones weiß: Alle großen Filmklassiker des Genres erzählen uns gar nicht in erster Linie von fremden Welten, sondern viel mehr über uns selbst.

Genre: Science-Fiction

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!::

Trailer zu den aktuellen Filmstarts sehen Sie im Onlineangebot der HNA unter www.hna.de/service/kino/index.html

Von Bettina Fraschke

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