Das Festival Akkordeonale begeisterte in der Adventskirche

Viele Tonsprachen

Ein Virtuose: Krzysztof Dobrek beim Auftritt in der Adventskirche. Foto: Malmus

Kassel. „Trotzdem ist das Akkordeon ein schönes Instrument.“ Allein die humorvolle Moderation des Organisators Servais Haanen lohnte den Besuch der Akkordeonale.

Das Festival demonstrierte einmal mehr, dass das Akkordeon nicht nur schön, sondern ungeheuer vielfältig in musikalischen Stilen und den zugehörigen Tonsprachen ist. Da malte Ge Zhang in „The Sun Rises from the Grassland“ mit folkloristischem Klang chinesische Landschaftsbilder, die Griechin Katerina Lekka illustrierte mit dem gleichnamigen Theodorakis-Klassiker „Die schöne Stadt“ in volltönigen Registern und der Pole Krzysztof Dobrek wieselte in einem jazzigen virtuosem Stil über die Tasten, dass man kaum folgen konnte.

Servais Haanen setzte auf das Gegenteil und lieferte mit dem „Ice Waltz“ eine zarte, sorgfältig komponierte Musik, die den Drehorgelsound der Frührenaissance mit irritierenden harmonischen Verschiebungen kombinierte.

Ensemblestücke wie „1957“ erlaubten, die Farbigkeit der Akkordeontypen attraktiv zu kombinieren und mit den beiden hervorragenden Gastmusikern, der exzellenten Percussionistin Nora Thiele und dem Hackbrett-Spieler Christoph Pfändler, einen orchestralen Sound zu schaffen.

Stellte der erste Block die Spielerpersönlichkeiten vor, so legte der zweite Teil des Abends noch einmal tüchtig zu. Aziz Ali Elyagutu aus Istanbul intonierte auf seinem Garmon, einer diatonischen Harmonika, Tänze aus dem Kaukasus, die mit ihren verzierungsreichen Linien faszinieren. Ein eher harmloses chinesisches Lied über den Jasmin wurde mit einem Heavy-Metal-Hackbrett-Solo aufgeladen (nicht von ungefähr trug Christoph Pfändler ein Motörhead-T-Shirt), und in Servais Haanens „Sarabande“ schmolz das Ensemble zu einem großen barocken Klangkörper zusammen.

Am Ende des Konzerts gab es in der gut gefüllten Adventskirche Standing Ovation, verbunden mit dem Wunsch, dass die Akkordeonale wieder in Kassel Station macht.

Von Hartmut Schmidt

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