Vielfach verwoben: Schau zu Hessen und Dänemark im Stadtmuseum Hofgeismar

Macht Eindruck: Schleppe des Hochzeitskleids von Louise mit Silberdrahtstickerei, eine Leihgabe aus Glücksburg. Fotos: von Busse

Hofgeismar. Es kann einem schon der Kopf schwirren nach dem Besuch der sehenswerten Ausstellung „Hessische Prinzessinnen auf Dänemarks Thron“ im Stadtmuseum Hofgeismar. So verflochten sind die beiden Staaten, dass es über drei Jahrhunderte eine Vielzahl verwandtschaftlicher Beziehungen zwischen den Herrscherfamilien gab. Die Orientierung zu behalten, fällt da nicht ganz leicht.

Es ist das Verdienst der Kuratoren, Museumsleiter Helmut Burmeister und Veronika Jäger, diese enge Verschränkung in der Schau und einer Publikation des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde deutlich gemacht zu haben und einige Schneisen zu schlagen - anhand ausgewählter Persönlichkeiten, deren Biografien erzählt werden. Wir stellen drei vor.

Das Stadtmuseum blättert damit ein bislang wenig beachtetes Geschichtskapitel auf. Illustriert wird es vor allem durch Gemälde und Büsten, Radierungen, Stiche und Lithografien, Medaillen, Porzellan und Schmuck, Briefwechsel und Urkunden.

Louise (1817-1898)

Die 1817 in Kassel geborene Prinzessin Louise war war eine Großnichte des Landgrafen Carl (Kurzporträt unten). Ihr Vater, der hessische Landgraf Wilhelm, war dänischer General und Gouverneur von Kopenhagen, ihre Mutter die Schwester des späteren Königs Christian VIII. 1852 heiratete Louise ihren Vetter Christian von Glücksburg, den Enkel Carls - die Eheleute waren also beide Urenkel des hessischen Landgrafen Friedrich II.

Dessen jüngster Sohn Friedrich, Carls Bruder, Louises Großvater und Christians Großonkel, residierte in Rumpenheim am Main - dort sollte die hessische Großfamilie auch noch nach dessen Tod jahrzehntelang zusammentreffen. Bismarck fürchtete diese „Flüstergalerie Europas“. Und tatsächlich gilt Louise als „Schwiegermutter Europas“ in einem dicht gesponnenen Netz von Eheverbindungen.

Als Louise und Christian, der nach komplizierten Erbfolge-Streitigkeiten 1863 König Christian IX. wurde, Silberhochzeit feierten, versammelten sich sechs Kinder des Paars - einige machten hervorragende Partien: Die Älteste, Alexandra, hatte den ältesten Sohn der englischen Königin Victoria, Albert, geheiratet. Tochter Dagmar wurde als Maria Feodorovna russische Zarin. Sohn Wilhelm Georg reiste als griechischer König Georg I. an. Sohn Frederik ehelichte die Tochter des Königs von Schweden-Norwegen.

Ein Schatten über der Regentschaft waren die Auseinandersetzungen und Kriege um Schleswig-Holstein. Das Paar musste sich in Dänemark lange des Vorwurfs der Deutschen-Freundlichkeit erwehren. Umgekehrt war Louise entsetzt, welche Feindschaft ihr im Strudel nationalistischer Begeisterung bei einem Besuch in Kassel entgegenschlug. Louise starb 1898 nach 56 Jahren Ehe, hoch geehrt für karitative Tätigkeit. Sie wurde in der Grabkirche der dänischen Könige in Roskilde beigesetzt.

Landgraf Carl (1744-1836)

Landgraf Carl von Hessen-Kassel (1744-1836) steht im Mittelpunkt der Ausstellung. Mit seinen Brüdern, dem späteren Kurfürsten Wilhelm I., und Friedrich verbrachte er zehn Jahre seiner Jugend in Kopenhagen. Wilhelm heiratete die Tochter des dänischen Königs, Wilhelmine Caroline, Carl vermählte sich mit deren Schwester, Prinzessin Louise, und blieb in dänischen Diensten.

Carl, Urenkel des bekannteren Herrschers gleichen Namens, hatte Funktionen als Vizekönig von Norwegen und Generalfeldmarschall inne. 69 Jahre war er Statthalter in Schleswig-Holstein. Er war Schwiegersohn, Schwager, Schwiegervater und Großvater eines dänischen Königs - so verwoben waren beide Familien. Gegen den Einfluss des Hessen gab es am Hof aber auch Widerstände. In Erinnerung bleibt seine Idee der „Armengärten“ - eine Art Schrebergärten.

Charlotte Amalie

(1650-1714)

Es war kein Zufall, dass der dänische Thronfolger Christian 1665 auf Brautschau und angeblich inkognito in die Residenzstadt Kassel reiste. Charlotte Amalie, 15-jährige, intelligente Tochter Wilhelms VI., war Nichte des Großen Kurfürsten und damit eines Schweden-Feindes. Dänemark und Schweden rangen über Jahrhunderte um die Herrschaft in Skandinavien und die Kontrolle der Ostsee - auch das spiegelt die Ausstellung wider. Nach dem Dreißigjährigen Krieg hatte Schweden die Oberhand.

Und Charlotte Amalie, 1667 vermählt, hatte es nicht leicht am dänischen Hof. Im streng lutherischen, absolutistischen Königreich wollte sie dem Calvinismus treu bleiben. Christian V. gestattete ihr allerdings die Unterstützung reformierter Gläubiger (sie duldete dagegen seine Mätresse) und rief diese selbst 1685 aus den Niederlanden, Deutschland, Frankreich und der Schweiz ins Land. Sie siedelten sich vor allem in der Freistatt Frederica an. Die Königin ließ ihnen eine reformierte Kirche bauen.

Schloss Charlottenburg an Kongens Nytorv (der Neumarkt der Königin) in Kopenhagen, ihr Witwensitz, ist benannt nach der hessisch-kasselischen Prinzessin.

Service: Die Schau im Stadtmuseum Hofgeismar, Petriplatz 2, Tel.: 05671/4791, läuft bis 1. Mai. Geöffnet Mo, Di, Do 10-12, Mi 15-18, Fr 17-19, So 11-13 und 15-18 Uhr. Eintritt frei.

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