Weltmusikfestival: Die Akkordeonale versammelte im Schlachthof fünf exzellente Musiker

Die Vielfalt eines Instruments

Koboldhaft: Die Finnin Johanna Juhola verkörperte das Motto „Nordlichter“ bei der Akkordeonale innerhalb des Weltmusikfestivals im Schlachthof. Foto: Malmus

Kassel. Der Saal restlos ausverkauft, bei der spontanen „Live-Übertragung“ in die Schlachthof-Kneipe jeder Stuhl besetzt: Mit einer solchen Resonanz auf die im Rahmen des Weltmusikfestivals stattfindende „Akkordeonale“ mit ihren fünf exzellenten Spielern hatte im Kulturzentrum wohl niemand gerechnet. Der Zuspruch war allerdings mehr als berechtigt, erlebten hier doch die Liebhaber des zunehmend wieder aktuellen Instruments in geballter Form die ganze stilistische Vielfalt des Akkordeons.

Kraftvoll-exotisch der Start mit dem kolumbianischen Tastenkünstler Antonio Rivas und seiner prägnanten Squeezebox, die perfekt den typischen südamerikanischen Tanzbodensound liefert. Im reizvollen Kontrast dazu die koboldhafte Finnin Johanna Juhola mit ihren ruhigen Soundflächen und fein gestalteten Melodielinien, welche sie ihrem riesigen Tastenakkordeon entlockt.

Faszinierend, wie sich beim Konzept „Akkordeonale“ die Temperamente die Hand reichen: So führt Serge Desaunay mit seinem nostalgischen Knopfakkordeon zurück in die französische Walzergemütlichkeit des frühen 20. Jahrhunderts, der Bulgare Petar Ralchev dagegen in das atemlose Tempo und die vertrackten Rhythmen östlicher Folklore.

Der Initiator des Projektes, der Niederländer Servais Haanen, erweist sich nicht nur als ausgezeichneter Moderator, sondern ermöglicht mit seinen Kompositionen Ensemblespiel von hoher kammermusikalischer Qualität. „Temporal“ etwa, eine programmatische Wetterstudie, zeigt die vielfältigen klanglichen Möglichkeiten der zu einer gigantischen Orgel zusammengefügten Akkordeongruppe: Der Balg-Atem illustriert das wogende Meer, tiefste Bässe grummeln, weit darüber zwitschert das Pikkolo. Kongenial erweitert wird der Klang durch das wunderbar singende Cello von Johanna Stein und das vitale Congaspiel von Julius Oppermann.

Lang anhaltender Beifall für ein ganz besonderes Konzert.

Von Hartmut Schmidt

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