Regisseur Fatih Akin über seinen besten Freund, Monica Bleibtreu und seinen Bandscheibenvorfall

„Vielleicht hat mich der Film kuriert“

Herr Akin, welche Inspirationen gab es für die Geschichte von „Soul Kitchen“?

Fatih Akin: Die Geschichte hat einen biografischen Bezug. Unser Hauptdarsteller Adam Bousdoukos hatte ein Restaurant. Er ist mein ältester und bester Freund, und dementsprechend waren wir jeden Tag in dem Laden, er war quasi das verlängerte Wohnzimmer. Viele der Anekdoten und viel von dem Lebensgefühl, das der Film einfängt, stammen aus dieser Zeit.

Sie haben angedeutet, dass der Film von der geplanten Fingerübung zur großen Herausforderung wurde. Können Sie ein paar Beispiele dafür nennen?

Akin: Ich wollte einen Film machen, der im Gegensatz zu den anderen Filmen hauptsächlich unterhält. Ich wollte die Gesetze des Genres erfüllen. Bisher lebten meine Drehbücher davon, dass sie die Konventionen nicht beherrschten. Nach 15 Minuten muss der Zuschauer wissen, worum es geht. Man muss permanent Druck auf die Figur aufbauen, man braucht einen Wendepunkt in der Mitte des Films, und das Ganze muss auf einen Höhepunkt zusteuern. Im Drama lass ich die Schauspieler machen und orientiere mich komplett an ihnen. Hier haben wir knallhart am Timing gearbeitet. Alles war viel schwieriger, als ich es mir je vorgestellt habe.

In Ihrem Film erlebt man Monica Bleibtreu zum letzten Mal. Wussten Sie um ihren Zustand?

Akin: Ich wusste, dass sie krank war. Dass sie sterben wird, wusste ich nicht. Das hat sie auch nicht vermittelt, sie wirkte am Set lebensfroh und voller positiver Energie.

Im Film spielt ein Bandscheibenvorfall eine nicht unwichtige Rolle. Verarbeiten Sie dabei eigenen Schmerz?

Akin: Oh ja. Seit dem Schnitt von „Gegen die Wand“ leide ich unter meinen Bandscheiben. Ich habe ja mal um die 90 Kilo gewogen. Die zweite Drehbuch-Fassung von „Soul Kitchen“ musste ich im Liegen diktieren, weil ich nicht sitzen konnte. Ich habe dann so ungefähr zwanzig Kilo verloren, seitdem geht’s. Seit der Film fertig ist, habe ich keine Probleme mehr. Vielleicht hat mich der Film kuriert.

Von André Wesche

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