Vierkanttretlager - Indierock mit Humor im Musiktheater

Wütende Melancholie: Sänger Max Richard Leßmann. Foto: dpa

Kassel. Es ist gut möglich, dass die Indierock-Band Vierkanttretlager noch ein zweites Mal den Friedensnobelpreis bekommen wird. Als EU-Bürger werden ihn die vier jungen Männer aus Husum ja irgendwie schon dieses Jahr erhalten.

Aber ihre musikalische Befreiung, die sie am Sonntag im Musiktheater zelebrierten, sollte das Nobelkomitee überzeugen.

Es ging um das Schifferklavier, das „von der Volksmusik versklavt und den Silbereisens dieser Welt in den Dreck gezogen wurde“, wie Sänger Max Richard Leßmann sagte: „Wir können ihm jetzt seine Würde zurückgeben.“ Und dann spielte das Quartett seine unwiderstehliche Hymne „Fotoalbum“, die sie zuletzt schon bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest mit Akkordeon und Shanty-Chor aufgeführt hatten.

Der sechste Platz beim Wettbewerb war wohl ein Grund, weshalb 80 Fans in die Dark Area gekommen waren. Vor einem Jahr waren Vierkanttretlager in der großen Halle nebenan noch Vorgruppe bei Rapper Casper. Mittlerweile füllen sie ganz allein kleine Clubs.

Die charmante Mischung aus Indie- und Punkrock sowie lässigem Liedermacher-Chanson kommt an, und nicht von ungefähr covert die Gruppe mit „Am Ende denk ich immer nur an dich“ ein Stück von Element Of Crime.

Zwischen den leisen Stücken gibt es nach vorn treibenden Punkrock, aber das Schöne ist, dass Vierkanttretlager die Wut oft in Melancholie verpacken. Am Ende, nach nicht einmal einer Stunde, singen Leßmann und Co. im Chor: „Sag nie, du weißt genau wohin. Gib deinem Leben keinen Sinn.“

Es ist gut möglich, dass diese Band mit ihrem Sinn für Humor schon bald die größeren Hallen füllt.

Von Matthias Lohr

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