Fest des Kinos: Verleihung des Deutschen Filmpreises in Berlin

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Große Regisseure, mit Lolas gekürt: Tom Tykwer („Drei“, links) und Wim Wenders („Pina“).

Mag sein, dass Tom Tykwer alle Felle wegschwimmen sah. Sechsmal war sein starkes Erotik-Drama „Drei“ für den Deutschen Filmpreis nominiert, doch musste der 45-Jährige in der glanzvollen Gala vor 1800 Gästen im Friedrichstadtpalast zusehen, wie die ersten Lolas an die Konkurrenz gingen.

An das wagemutige Historienepos „Poll“ von Chris Kraus und den erstaunlichen Studenten-Abschlussfilm „Das Lied in mir“ von Florian Cossen. Anders als vor einem Jahr, als Michael Hanekes „Das weiße Band“ zehn Lolas abräumte, wurden die Preise und die knapp 3 Mio. Euro Fördermittel verteilt, und das durchaus gerecht.

Zuletzt bekam auch „Drei“ verdiente Aufmerksamkeit: Für die kranke Sophie Rois nahm Kollege Devid Striesow die Lola für die beste weibliche Hauptrolle entgegen, Tykwer bekam die Trophäe als bester Regisseur. Er freute sich sichtlich.

Auch wenn „Vincent will Meer“ die Nase vorn hatte. Die 1200 Mitglieder der Filmakademie wählten die wunderbare Komödie um einen jungen Mann mit Tourette-Syndrom zum besten Film. Die Szene, wie die für die beste Hauptrolle nominierten Darsteller Alexander Fehling („Goethe!“), August Diehl („Wer wenn nicht wir“) und Florian David Fitz (er hatte sich die Rolle des Vincent als Drehbuchautor selbst geschrieben) über ihre Chancen flachsten, gehörte zu den Höhepunkten der vom ZDF zeitversetzt ausgestrahlten Verleihung.

Die hatte schwache Momente (wie Helge Schneiders wirre Ansagen) und starke Szenen: souveräne Auftritte von Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase („Sommer vorm Balkon“), der den Ehrenpreis fürs Lebenswerk erhielt, und Regisseur Wim Wenders, dessen graue Mähne vom Sturm auf dem Roten Teppich zerzaust war.

Für Barbara Schöneberger, die sich in mehrere hautenge, glitzernde Paillettenkleider hatte „schießen lassen“, wie sie sagte, traf beides zu: Manch missglückter Scherz ließ Gesichter versteinern, aber es glückten ihr auch herrliche Bosheiten über Kolleginnen von Furtwängler bis Ferres.

Einer fehlte. Bernd Eichinger, der voriges Jahr den Ehrenpreis erhalten hatte, war im Januar plötzlich gestorben. Witwe Katja und Tochter Nina saßen tapfer im Publikum. Ein Preis soll künftig an den Produzenten erinnern. „Er war die Heimat für viele von uns“, brachte Tom Tykwer Entsetzen und Trauer der Branche auf den Punkt, In diesem Moment rückten die Lolas ganz fern.

Von Mark-Christian von Busse

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