Kasseler Musiktage: Die Geigerin Hyeyoon Park glänzte auch kammermusikalisch

Ein virtuoses Feuer entfacht

Eigenwillige Dramaturgie: Nikolaus Rexroth (Klavier), Hyeyoon Park (Violine) und Heidi de Vries (Lesung) im Ständesaal. Foto: Malmus

Kassel. Als die Geigerin Hyeyoon Park in der Carmen-Fantasie von Pablo de Sarasate ein virtuoses Feuer sondergleichen entfachte, glaubte man fast einen Anstieg der Raumtemperatur zu spüren. Bei der 19-jährigen Koreanerin begeistern die Sinnlichkeit und Leidenschaft des Musizierens.

Das in Berlin lebende Ausnahmetalent war nach dem Eröffnungskonzert der Kasseler Musiktage noch bei zwei weiteren Terminen des Festivals zu hören. „Forum“ und „Salon“ hießen die beiden Veranstaltungen, die von rund 300 Gästen besucht wurden.

Beim Forum im renovierten Ständesaal präsentierte Hyeyoon Park mit dem gleichaltrigen Pianisten Nikolaus Rexroth Sonaten von Beethoven, Ravel und Brahms. Mit seinen nuancierten Klangfarben glich das lichtvolle Geigenspiel einer mal verführerischen, mal entschiedenen Redekunst - imponierend beim klassischen Beethoven und bei Ravels glitzerndem Sensualismus samt einem wunderbaren Blues-Satz.

Ein sensibles Verständnis für Schönbergs „Sechs kleine Klavierstücke“ op. 19 zeigte Nikolaus Rexroth, der auch als seriöser Liszt-Interpret überzeugte. Doch das war noch nicht alles, was die drei Stunden zu bieten hatten.

Die Foren der Kasseler Musiktage wollen Assoziationsräume öffnen und vereinen im bewussten Verzicht auf einen allzu offensichtlichen roten Faden Ton und Wort. So las Heidi de Vries zwei Kleist-Novellen. Dass auf die kurzen Schönberg-Stücke eine lange Lesung folgte, war tatsächlich eine eigenwillige Dramaturgie.

Am nächsten Abend hatten die Salons der Musiktage ihren geglückten Einstand im ausverkauften Gießhaus. In entspannter Atmosphäre gab es eine Kooperation mit dem Institut für Musik der Kasseler Uni. Ergebnisse aus dem Seminar des Musikhistorikers Markus Böggemann machten ein spannendes Thema anschaulich: die Gleichzeitigkeit von Industrialisierung und Innerlichkeit in der romantischen Epoche.

Man schmunzelte über eine treuherzige Kontaktanzeige auf einer Litfaßsäule. Zudem gab es eine interaktive Präsentation von Tillmann Eller sowie pointierte Lesungen. Auch musikalisch zeigten sich die Studierenden im besten Licht. Etwa Kristin Hoffmann und Johanna Römer beim vierhändigen „Frühlingsrauschen“. Oder die Pianistin Lisa Böckelmann und die klar wie empfindsam vortragende Sängerin Katja Friedenberg.

Hyeyoon Park trumpfte mit Paganinis Caprice Nr. 24 auf, bevor Nikolaus Rexroth den späten Liszt mit der „Trauergondel“ versonnen feierte. Zum Ausklang wurde es dann heiß bei der Carmen-Fantasie.

Von Georg Pepl

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