Virtuoses Feuer entfacht: Giacomo Sagripanti dirigierte das Staatsorchester

Intensive Arbeit mit dem Staatsorchester: Giacomo Sagripanti, Kandidat für die Nachfolge Patrik Ringborgs als Generalmusikdirektor, beim Sonntagskonzert im Opernhaus. Foto: Fischer

Kassel. Ein neuer Generalmusikdirektor wird in Kassel gesucht. Im Sommer 2017 endet die zehnjährige Amtszeit von Patrik Ringborg, und nachdem eine erste Bewerberrunde für die Nachfolge nicht den gewünschten Erfolg brachte, stellen sich in diesem Herbst und Winter nun drei weitere GMD-Kandidaten jeweils mit einer eigenen Konzerteinstudierung sowie einem Abenddirigat im Opernhaus vor. Dann wird eine Jury über die Nachfolge entscheiden und dabei das Votum des Orchesters berücksichtigen.

Den Anfang machte jetzt beim Sonntagskonzert Giacomo Sagripanti. Der aus Mittelitalien stammende Mittdreißiger wurde vor Kurzem mit dem International Opera Award für Junge Dirigenten ausgezeichnet und ist ein gefragter Gast an vielen Opernhäusern von Paris bis Moskau.

Ein äußerst anspruchsvolles Programm für die Ausführenden, eines zum Genießen für das Publikum wurde geboten: Rossinis berühmte Ouvertüre zur Oper „Wilhelm Tell“, eine späte Haydn-Sinfonie (Nr. 88) und Mendelssohns sprühende vierte Sinfonie, die „Italienische“.

Ein Konzert, das vom ersten Moment an Sagripantis Handschrift trug. Als große Steigerung in zwei Anläufen war Rossinis Bravourstück angelegt. Dessen mitreißendes Marschfinale wurde unter Sagripantis souveräner Zeichengebung mit Feuer und gleichzeitig mit bewundernswerter Präzision (hier zeichneten sich die Streicher besonders aus) dargeboten.

Stets den Musikern zugewandt agierte Sagripanti, ein Dirigent, der ohne jegliche Showelemente auskommt und das Orchester mit knappen Bewegungen, aber großer Intensität führt.

Fein ausgestaltet, allerdings nicht explizit im Stil der historisch informierten Aufführungsspraxis, war Haydns G-Dur-Sinfonie. Der Largo-Satz schien in seiner Langsamkeit etwas überdehnt, doch das folgende Menuett mit den überraschenden Trompetensignalen war von eleganter Frische.

Vibrierende Energie und Leichtigkeit, virtuoses Orchesterspiel und klangliche Feinabstimmung – alles passte zusammen beim Eingangssatz von Mendelssohns Vierter. Schöne Bläser-Streicher-Kontraste im zweiten, ein diskretes Hörnersignal im dritten Satz und ein federndes, rasantes Musizieren im Saltarello-Finale erlebten die Zuhörer im fast ausverkauften Opernhaus – und bedankten sich bei den Akteuren mit langem Beifall und Bravos.

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