Der Kunsttempel zeigt zwei Arbeiten von Zaki Al-Maboren

Vision vom Paradies

Spurensuche: Zaki Al-Maboren im Kunsttempel. Foto: Socher

Kassel. Es war das „Bild der Woche“ im Magazin „Stern“. Eine palästinensische Stadt in der Wüste Negev, urban gestaltete Architektur, die Wege kahl und leer, ohne Anmutung städtischen Lebens. Tse’elim dient als israelischer Truppenübungsplatz, ein Ort, um den Krieg zu lernen, vermietet auch an andere Streitkräfte. Der im Sudan geborene und in Kassel lebende Künstler Zaki Al-Maboren nutzte das Pressefoto von 2007 als Anregung zu einer malerischen Vision.

„tatort paradies“ setzt die von Doris Krininger spannend und vielschichtig entwickelte „Tatort“-Reihe im Kunsttempel fort, nähert sich den Kriegen und dem allgegenwärtigen Terror in einer persönlichen Sicht. In vier großformatigen, farbenfrohen Kompositionen, durchzogen von Zeichen und Ornamenten, transformiert Zaki Al-Maboren den Ort des Todes zu einem Ort friedlichen Zusammenlebens.

Die Tableaus zeigen die Moschee, Straßen, Menschen, Natur. Quirliges Leben statt Einöde. Als letzte Variation dieser kleinen Stadt interpretiert der Künstler den islamischen Totenkult mit den aufsteigenden Seelen der Menschen. Das Paradies könnte überall sein, der Werkzyklus ist ein sensibles Plädoyer für den Frieden.

„9/11“ ist der Titel einer Installation: Eine künstlerische Annäherung an den Moslem Zacarias Moussaoui, der der Mittäterschaft des Anschlages auf das New Yorker World Trade Center angeklagt wurde. Trotz fragwürdiger Beweise wurde er zu lebenslanger Isolationshaft verurteilt. Al-Maboren recherchierte im Internet, druckte Pressefotos und Gerichtszeichnungen mit einem speziellen Verfahren aus. Visuelle Umsetzung und Texte spüren den Hintergründen nach, besonders der Veränderung eines Menschen und seines Charakters im Konflikt der Religionen und Kulturen.

Bis 19.9., Kunsttempel, Friedrich-Ebert-Straße 177, Do bis So, 15 bis 18 Uhr.

Von Juliane Sattler

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