Das Oratorium „Messiah“ bei den Händel-Festspielen in Göttingen

Vitales Gipfelwerk über den Zeiten

Jaroslaw Thiel Foto: nh

GÖTTINGEN. 274 Jahre in den Charts – das muss ein Popstar erst einmal schaffen. Mit seinem 1742 uraufgeführten Oratorium „Messiah“ (Der Messias) gelang Georg Friedrich Händel ein Erfolg über die Jahrhunderte hinweg – nicht zuletzt dank des überwältigenden „Halleluja“-Chores. Bei den Händel-Festspielen Göttingen war das berühmte Oratorium schon lange nicht zu hören. Doch nun gab es eine glanzvolle Aufführung dieses Gipfelwerks, das in seinen drei Teilen die ganze christliche Heilsgeschichte umfasst, die Verheißung und Geburt des Messias, die Passion, Auferstehung und Erlösung.

Als treibender Motor des Konzerts erwies sich das Wroclaw Baroque Orchestra. Dass es die Festspiele besuchte, hatte einen guten Grund, denn sein künstlerischer Leiter Jaroslaw Thiel ist auch Mitglied des Festspiel-Orchesters Göttingen. Der Auftritt der polnischen Barockexperten war der Gegenbesuch zum Gastspiel der Göttinger Produktion von Händels „Susanna“ am 8. Mai in der niederschlesischen Metropole Wroclaw (Breslau) – in diesem Jahr zusammen mit San Sebastián Kulturhauptstadt Europas.

Nahezu perfekt musizierte das polnische Orchester in der mit 900 Zuhörern gefüllten Göttinger Stadthalle. Es bewegte sich ganz auf der Höhe der historischen Aufführungspraxis, rhythmisch pulsierend, präzise, mitunter scharf in der Artikulation. Dirigent Jaroslaw Thiel, von Haus aus Cellist, leitete mit straffer, energischer Hand. Vielleicht hätte dem ersten Teil hier und da ein weniger schnelles Tempo gut getan. Ganz schön flott, wie die Geburt Jesu gefeiert wurde.

Mit virtuosen Koloraturen und einer Bandbreite von Dramatik bis zum Halleluja-Jubel demonstrierte der Chor des Nationalen Musikforums (NFM Chor), einer der führenden Chöre Polens, was Händel so einzigartig macht: eine vitale Feier der menschlichen Stimme.

Zu diesem Fest trugen auch die Solisten bei: der geschmeidig-expressive Tenor Colin Balzer, der anmutig-leuchtende Sopran von Mhairi Lawson, die mit einer ganz eigenen, herben Altstimme ausgestattete Hilary Summers und nicht zuletzt der Bariton Benjamin Bevan, der mit der bravourösen Arie „Why do the nations so furiously rage together“ einen von vielen Hits lieferte. Tosender Applaus für alle Mitwirkenden.

Von Georg Pepl

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