Die Vitalität geht im Museum verloren

Kunst zur Bundesgartenschau in Koblenz

Unglücklich platziert: In Hans Haackes „Zirkulation“ transportiert eine Umwälzpumpe Wasser und Luft durch die mit Y-Verbindungsstücken verbundenen Plastikschläuche. Foto: Auel

Koblenz. Kunst und Bundesgartenschau - das ist seit der documenta des Jahres 1955, die als Rahmenprogramm zur Kasseler Blumenschau konzipiert wurde, eine vielversprechende Verbindung.

Einem solchen Maßstab muss die zur Koblenzer Buga präsentierte Ausstellung „Die letzte Freiheit“ nicht gerecht werden. Aber auch sonst bleibt die Schau mit dem Untertitel „Von den Pionieren der Land-Art der 1960er Jahre bis zur Natur im Cyberspace“ hinter den Erwartungen zurück. Zumindest stellt die Ausstellung anlässlich einer Bundesgartenschau eine geglückte, jenseits allen floralen Kitschs getroffene Themenwahl dar.

In der Nähe von Freiheitsstatue und World Trade Center pflanzte die Ungarin Agnes Denes für ihr Werk „Wheatfield - A Confrontation“ (1982) Weizen. Ihre Arbeit wird als „mahnende und beschwörende Geste, die Natur nicht vollkommen zu verdrängen“, beschrieben und in Bezug auf ihre Zeit als Einzelfall deklariert. Entlang des Niagara-Flusses schuf Nancy Holt kreisrunde Becken, in deren Wasseroberfläche sich der Himmel spiegelt.

In der weiten Wüste des Bundesstaats Utah konzentrieren ihre „Sun Tunnels“ (1973-76) den Blick, während das ins Innere der Betonröhren eindringende Licht Sternkonstellationen abbildet und das Schattenspiel Jahreszeiten und Stunden anzeigt. Die von Hamish Fulton im Wandgemälde gleichen Titels getroffene Aussage „This is not Landart“ (2007) lässt sich auf die beiden auf Pekings Straßen gedrehten Videos vonAi Weiwei übertragen. Von dem Chinesen hätte es im Sinn des Themas durchaus passendere Werke gegeben: zum Beispiel eine Installation aus fingierten Kohlesteinen, die in einer Lesart auf die Umweltzerstörung in China verweisen, oder seine Sammlung entrindeter Baumstämme.

In einem Video-Triptychon liegt Andy Goldsworthy auf New Yorks Bürgersteigen und lässt sich so lange nass regnen, bis sich der von seinem Körper bedeckte Fleck optisch von dem vom Wasser dunkel gefärbten Asphalt abhebt. Während in Kassel Walter de Marias „Vertikaler Erdkilometer“ im Erdreich des Friedrichsplatzes schlummert, geht es in Koblenz kompakter zu: Der ausgestellte „High Energy Bar“ (1969) ist ein 35 Zentimeter langer Edelstahlstab, zu dem ein Zertifikat gehört, welches den Besitzer mit denen der anderen Energie-Barren zu einer Art Geheimbund zusammenführt.

In der Ausstellung finden sich die Zeugnisse der Land-Art wie in einer Ahnengalerie dicht gedrängt an den Museumswänden wieder, womit sie die Vitalität einbüßen, die viele Projekte noch in ihrer Dokumentation transportieren. So ist mancher Beitrag in eine kleine Ecke gezwängt. Und Hans Haackes mäandernde Installation „Zirkulation“ (1969), durch deren Plastikschläuche Luft und Wasser fließen, wurde dem linearen Kontrast des Fliesenbodens ausgesetzt.

Bis 16.10., Ludwig Museum im Deutschherrenhaus Koblenz, Mo-So 9-18 Uhr, Eintritt in das Museum nur mit gültiger Buga-Eintrittskarte.

www.ludwigmuseum.org

Von Anne-Kathrin Auel

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