Völlig durchgeknallt: Helge Schneider in der Kasseler Stadthalle

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Gab in Kassel den Blödel-Rocker: Kultmusiker Helge Schneider.

Kassel. Er ist schon ein liebenswert verrückter Typ, dieser Helge Schneider. Am Mittwoch in der mit gut 700 Besuchern gefüllten Kasseler Stadthalle wurde er deswegen gefeiert. Zugegeben: Auch weil er ein richtig guter Jazz-Musiker ist und dies am Klavier, an der Orgel, auf der Trompete, auf dem Saxofon und der Gitarre unter Beweis stellte.

Aber wer ins Konzert zu dem vielseitigen Helge geht, der mit fünf Jahren mit dem Klavierspielen begann, der schon als Junge davon träumte, als Clown und Musiker auf der Bühne zu stehen und 1971 die Schule ohne Abschluss abbrach, der tut es wohl in erster Linie wegen seiner so urig inszenierten Bühnenfigur und seinen total durchgeknallten Liedern und Sprüchen.

Von der ersten Minute an strotzt Schneider vor Blödellaune, hampelt in hautenger Rockerkluft mit schwarze Lederjacke und schwarzer Lederhose über die Bühne („Ich bin nur mit Olivenöl und drei Helfern reingekommen“), stimmt „Heute ist das Wetter schön, la la la“ an und kommentiert einen freien Platz in der ersten Reihe in typischer Helge-Manier: „Der konnte nicht kommen. Der ist heute gestorben. Wir haben vormittags noch telefoniert.“

Als nächstes: Helge musikalisch. „Hast du eine Mutter, hast du immer Butter“, inklusive Zeilen, die bisher nur er kannte. Weitere Schöpfungen folgen, etwa das Lied vom „Meisenmann“, bei dem er entlarvt, dass Regenwürmer lieber Sonnenwürmer heißen möchten, dann mehrere Howard Carpendale-Parodien und, wie zu erwarten, sein „Katzeklo“.

Zwischendurch gibt er den Gitarrenrocker, hüpft auf einem Bein über die Bühne, wälzt sich auf dem Boden und lässt sich von seinem Bühnensklaven Bodo Oesterling, den er beständig mit kleinen Gemeinheiten bedenkt, Tee bringen.

Auch seine sechsköpfige Begleitband, die „Dorfschönheiten“, ist oft kaum mehr als Requisite für Schneiders Blödelinszenierungen. Seinem kahlköpfigen Gitarristen Sandro Giampiedro setzt er seine Perücke auf, Schlagzeuger Willy Ketzer „darf kein Solo spielen, weil ihm sonst die Kraft fehlt, später die Instrumente rauszutragen“.

Im nächsten Jahr wird Helge Schneider 60. Seine Rente will er sich „für die nächsten 100 Jahre“ im Voraus auszahlen lassen - „weil ich gern ein Schädling bin“. Lang anhaltender Applaus, dennoch keine Zugabe.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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