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Einzigartiger Klangcharakter beeindruckt bei Konzert im Gießhaus

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Präzise Tongestaltung: Das Vokalensemble Mehrklang unter Leitung von Andreas Klippert im Gießhaus.
Präzise Tongestaltung: Das Vokalensemble Mehrklang unter Leitung von Andreas Klippert im Gießhaus. © Dieter Schachtschneider

Zwanzigköpfiges Ensemble singt unter Leitung von Andreas Klippert bekannte und weniger bekannte Stücke, auch zeitgenössische.

Kassel - Kanonen wurden hier im Gießhaus gegossen. Zweihundert Jahre später erklingt im ausverkauften Saal der Universität „besinnliche Chormusik“, die „für die Natur und für den Frieden“ vorgetragen wird. Das Programm des Ensembles Mehrklang verspricht mit vorwiegend romantischen Werken von Brahms und Mendelssohn eine klangliche Reise in weltentrückte Sphären. Frank Tichelis „Lied der Erde“ begann mit den Worten: „Sing. Be. Live. See.“, so auch der Titel des Abends, und es endete mit denselben Worten, ergänzt durch das heute wieder denkwürdig nachhallende Wort „Frieden“ (peace).

Klippert feierte Erfolge in Tschechien, Slowenien und in der Ukraine und präsentiert nun ein Vokalensemble von seltener Güte und einzigartigem Klangcharakter. Mehrklang will mehrstimmige Chorliteratur präsentieren, aber auch mehr Klang zulassen, etwa durch Rezitationen, anmutig-prägnant vorgetragen durch das Ensemblemitglied Hanna Poloschek. Buchstäblich mehr Klänge werden kreiert, wenn Komponist und Ensemblemitglied Jonas Imhof tätig wird. In dessen Kompositionen „Heideröslein“ und „Wie das Sonnenlicht“ trafen sich volksliedhafte Weisen und eine ins Moderne tastende Melodik, die durch ihre freie Stimmführung zugleich farbenfroh und sinnlich wirkte.

Klippert dirigierte zugewandt und präzise. Die zwölf Frauen und acht Männer hielte die Spannung, ließen Töne aus dem Nichts aufgehen und ins Nichts verschwinden; sie meisterten im Sopran und Alt schwierigste Passagen bei Brahms und zauberten bei Waldemar Ahlen im Tenor und Bass mystische Klangwelten.

Während Christian Lahusens „Komm Trost der Welt“ sang der A-cappella-Chor im lockeren Halbkreis, umarmte quasi stimmlich das Publikum. Die Konzertbesucher durften sich mit Brahms zeitlosen Chorwerken auf den Heimweg machen, noch im Ohr den friedvollen Text der „Waldesnacht“ des Dichters Paul Heyse: „Und ein Friede schwebt / mit leisen Flügelschlägen niederwärts.“

Von Andreas Erdmann

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