So würde Lena Meyer-Landrut gern klingen: Das neue Album von Kate Nash

Voll die coole Feministin

Vor vier Jahren war sie das Wunderkind aus dem Internet: Mittlerweile ist Kate Nash 22 und legt mit „My Best Friend Is You“ ein erstaunlich reifes zweites Album vor. Foto: Universal

Dieser Song ist das lustigste Missverständnis des Pop-Jahres. „Do-Wah-Doo“ läuft gerade jeden Tag im Radio, und als ein Freund den unwiderstehlichen Refrain mitsummte, sagte er: „Das neue Lied von Lena ist ja viel besser als ’Satellite’. Wieso singt sie das nicht in Oslo?“

Wahrscheinlich würde Lena Meyer-Landrut mit „Do-Wah-Doo“ tatsächlich den Eurovision Song Contest gewinnen. Das Problem: Der Titel ist weder von Lena noch von Stefan Raab, in dessen Casting-Show die Abiturientin berühmt wurde. „Do-Wah-Doo“ stammt von Kate Nash, dem erklärten Vorbild von Lena Meyer-Landrut.

Gerade hat die Engländerin ihr zweites Album „My Best Friend Is You“ veröffentlicht, das beweist: Das Original ist besser als jede Kopie. Im rauhen Cockney-Akzent singt die Londonerin über Mädchen, die Jungs schöne Augen machen, über Homophobie und Vertrauen. Die Pop-Melodien erinnern an die Sixties und die Supremes, zwischendurch gibt es Folk und Noise-Rock. Es ist ein erstaunlich reifes Album für eine 22-Jährige, die 2006 eines der ersten Pop-Wunderkinder des Internet-Zeitalters war.

Damals wohnte Nash noch bei ihren Eltern. Sie stellte einige Songs auf ihre Myspace-Seite, wenig später erhielt sie einen Plattenvertrag, und im August 2007 führte sie die britischen Albumcharts an.

„Das war unfassbar verrückt“, sagt Nash heute. Nach dem Wirbel brauchte die Tochter einer Krankenschwester, die wie ihre Kolleginnen Amy Winehouse und Katie Melua an der Londoner „Brit School“ studierte, eine Auszeit. Andere gepushte Stars flüchten in Drogen. Nash indes schlief einfach jeden Tag aus, faulenzte mit ihrem Freund, dem Sänger Ryan Jarman (The Cribs), auf dem Sofa und schaute fern.

Nebenbei gründete sie eine Initiative, die sich für die Rechte von Musikern stark macht. Und sie engagierte sich in der internationalen V-Day-Bewegung gegen Gewalt gegen Frauen. „Ich bin voll die Feministin“, sagt Nash, die anders als die magersüchtigen Stars und Sternchen wie eine ganz normale Frau aussieht.

Ihre Lieder schreibt sie selbst - meist am Klavier oder an der Gitarre. „I‘ve Got A Secret“, das vom Schwulenhass handelt, entstand sogar am Schlagzeug. „Do-Wah-Doo“ handelt von ihrem besten Freund, mit dem sie als Kind auf Bäume kletterte, ehe er sich für Mädchen mit Lipgloss zu interessieren begann - die kleine Kate war abgemeldet. Mittlerweile sind sie längst wieder Freunde, im nachhinein ist es ein lustiges Missverständnis, aber dem namenlosen Mädchen ruft Nash am Ende des Songs noch ein wütendes „Miststück“ hinterher.

Kate Nash: My Best Friend Is You (Fiction/Universal). Wertung: !!!!:

Von Matthias Lohr

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