Volle Ekstase: Der amerikanische Gitarrist Albert Castiglia in Kassel

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Immer Vollgas geben: Blues-Gitarrist Albert Castiglia (links) mit Drummer Joe Voye und Bassist Matt Schuler. Foto: Schachtschneider

Kassel. Zwischenapplaus schon während des ersten Stückes – so einen Auftakt wünscht sich wohl jeder Musiker. Albert Castiglia heißt der Glückliche. Am Montag gab der US-Gitarrist mit kubanischen und italienischen Wurzeln im gut gefüllten Theaterstübchen ein mitreißendes Konzert.

Krachender Blues-Rock, energische Soli, bei denen er die Saiten so malträtierte, dass es niemand verwundert hätte, wenn sie ihm um die Ohren geflogen wären, brachten die Stimmung von Beginn an auf dem Siedepunkt - und das blieb sie bis zum letzten Ton.

So wild und einpeitschend wie seine Musik klingt, sieht der 44-Jährige allerdings nicht aus. Im Gegenteil. Mit Strohhut, Badelatschen und Bermuda-Shorts könnte man sich ihn auch gut als Sunny Boy an einem Strand in Florida vorstellen. Als er fünf war, zog seine Familie dort hin. Keine zehn Jahre später gab es für den Teenager kaum noch etwas anderes als Gitarre spielen und Stücke schreiben. Mit nicht mal 30 Jahren ehrte ihn ein US-Magazin als besten Bluesgitarristen. Ältere Stücke und solche aus seinem aktuellen Album „Living The Dream“ präsentierte Castiglia zusammen mit seiner kleinen Band, bei der auch Schlagzeuger Joe Voye und Bassist Matt Schuler mächtig Gas gaben.

Castiglia technisch sowieso spitze, spielte sich mit einer selten gesehenen Leidenschaft praktisch selbst in Ekstase. Neben typischen Bluesnummern wie „Hoodoo Man-Blues“ und zahlreichen krachenden Bluesrock-Raketen sorgen zwei, drei Stücke mit sanfterer Gangart für Abwechslung. Obwohl – sanft trifft es nicht ganz. Denn auch Titel wie „Having You No Shame“ oder Castiglias Lieblingsstück „Celebration“ strahlen eine enorme Kraft aus - und kaum weniger Lautstärke.

Auch die war nämlich an diesem Abend Trumpf. Nutzer von Hörgeräten konnten diese jedenfalls ausschalten. Auch einen Gag hatte Castiglia parat: Einfach mal während seiner wilden Gitarrensoli das Instrument auf lautlos runterdrehen und sich dann gebärden wie ein Schuljunge mit defektem Instrument. Viel Applaus für diesen unglaublich kraftvollen Bluesrocker.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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