Einst Europas erfolgreichste Hardcore-Band

Volle Pulle auf die Zwölf: Die Ryker’s aus Kassel sind zurück

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Auferstanden aus Ruinen: Die Kasseler Hardcore-Band Ryker’s mit (von links) Stephan Kaufmann (Gitarre), Christian Luft (Bass), Michael Grobe (Gitarre), Hubertus Dittmeier (Gesang) und Florian Pieper (Schlagzeug) vor der Kasseler Kulturfabrik Salzmann. Foto: Dmytrzak

Kassel. Wenn man in New York einen Musik-Fan auf Kassel anspricht, kann es sein, dass der nicht zuerst an die documenta denkt, sondern an die Hardcore-Band Ryker’s. Die US-Metropole gilt immer noch als das Zentrum jenes Musikstils aus Punk und Metal.

Und das Quintett aus Kassel war einmal die erfolgreichste europäische Band dieses Genres.

Ab 1992 brachten die Ryker’s den New Yorker Oldschool-Sound, der auf schnellen Punk und bretterharte Metal-Riffs setzt, nach Deutschland. Die Gruppe um Bassist Christian Luft tourte durch ausverkaufte Hallen in ganz Europa und trat im legendären Club CBGB in Manhattan auf. In der Szene wurden die Kasseler fast kultisch verehrt. Zwei Alben brachten die Ryker’s sogar beim Plattenmulti Warner heraus. Im Jahr 2000 war Schluss, die Band löste sich auf.

Nun ist die Legende zurück. Am Freitag erscheint das Album „Hard To The Core“, das erste nach 14 Jahren. Die Musik klingt so, als seien die Ryker’s nie weg gewesen. Es geht immer noch voll auf die Zwölf. „Wir stagnieren auf hohem Niveau“, sagt Luft mit einem Augenzwinkern: „Wir spielen mit unserem Image der harten Jungs.“ Auch der Albumtitel (Hart zum Kern) ist eine ironische Anspielung auf die Szene, deren Mitglieder bereits riesige Tattoos trugen, als der Rest der Gesellschaft noch nicht beschriftet war. Bei Konzerten kann aus dem wilden Pogotanz der Fans schon mal Kickboxen werden. Es passt daher, dass man nach den acht Songs hört, wie einige Flaschen kaputt geworfen werden.

Die Texte, die Frontmann Hubertus Dittmeier alias Kid D. bisweilen in Death-Metal-Manier ins Mikro schreit, drehen sich um die Kluft zwischen Arm und Reich und mediale Lügen. „Wir geben Denkanstöße,“ sagt der gelernte Sozialpädagoge Luft, der einst sein Studium durch die Musik finanzierte. Die ersten Reaktionen auf die neuen Lieder sind positiv. In diesen Tagen treten die Ryker’s in Berlin, Wien und München auf. „Wir haben Spaß und den Vorteil, dass wir all das nicht machen müssen“, sagt Luft. Wie seine seine Kollegen hat er einen ganz normalen Job, der aber nicht in der Zeitung stehen soll.

Die Idee zur Wiedervereinigung hatte der 44-Jährige, als er bei einem Konzert einer Cover-Band im Kasseler Fiasko den Schlagzeuger Florian Pieper hörte. „Mit dem will ich was zusammen machen“, sagte sich Luft. Pieper ist nun neben Gitarrist Stephan Kaufmann der zweite Neue in der Band. Gemeinsam mit Gitarrist Michael Grobe sorgen die Ryker’s dafür, dass Hardcore aus Kassel wieder international gehört wird - wie früher, als das Jugendzentrum Akku in Immenhausen nördlich von Kassel zum Treffpunkt der Szene wurde.

Selbst US-Größen spielten dort. Mit manchen New Yorker Musikern ist Luft immer noch befreundet. Wenn deren Bands durch Europa touren, lädt er sie nach Kassel ein und zeigt ihnen den Herkules. Manche New Yorker denken also auch an das Wahrzeichen, wenn sie Kassel hören.

Ryker’s: Hard To The Core (BDHW Records)

Wertung: vier von fünf Sternen

Von Matthias Lohr

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