Auf dem Weg zur Vollendung

Neue Glanzstücke für die MHK: Statuetten erhellen Geschichte des Marmorbads

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Eleganz und Bewegung: Die Figur „Bacchantin“ des Bildhauers Pierre Étienne Monnot ist eine Studie für Figuren im Marmorbad.

Kassel. Sie sollen zu den künftigen Glanzstücken der Ausstellung im Landesmuseum gehören, zu den Exponaten, auf die man sich besonders freuen kann, wenn das neu gestaltete Haus im Dezember öffnet: Zwei vergoldete Terrakotta-Statuetten, die das Land Hessen für die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) ankaufen konnte, und die nun vorgestellt worden sind.

Unterstützung gab es von der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens-Kunststiftung und der Hessischen Kulturstiftung. Die genaue Kaufsumme wird nicht genannt, liegt aber nach Angaben einer Sprecherin im sechsstelligen Bereich.

Die Figuren

So sieht die Marmorausführung aus: Paris an seinem Standort im barocken Marmorbad in der Kasseler Karlsaue.

Die rund 60 Zentimeter hohen Skulpturen hat der Bildhauer Pierre Étienne Monnot (1657 - 1733) als Studien für Marmorstatuen angefertigt. Diese stehen im Marmorbad an der Kasseler Karlsaue. Der mythologische Königssohn „Paris“ steht elegant neben seinem Hündchen. „Bacchantin“ ist eine Tänzerin, die sich dem Bacchus-Kult verschrieben hat. Weinlaub-umkränzt tanzt sie sich in Trance.

Der Schöpfer

Pierre Étienne Monnot stammt aus Frankreich und arbeitete zunächst in Rom, wo er seine bildhauerischen Fertigkeiten an bekannten Lehrern und antiken Vorbildern schulte. Seinwichtigster Auftraggeber war der Adlige Livio Odescalchi (1652 - 1713). Nach dessen Tod arbeitete Monnot für den Landgrafen Karl von Hessen-Kassel (1654 - 1730). In Kassel realisierte Monnot sein Hauptwerk, das Marmorbad (1722), eine spätbarocke Badeanlage, die repräsentativen Zwecken diente, und unter anderem mit zwölf marmornen Skulpturen ausgestattet ist, die mythologische Figuren darstellen. Darunter Paris und die seit dem Krieg kopflose Bacchantin.

Die Bedeutung

Es ist eine absolute Seltenheit, dass solche Vorarbeiten noch erhalten sind, so MHK-Direktor Bernd Küster. Dies war nach 300 Jahren nicht zu vermuten. Studien sind die „erste Manifestation von Idee in Materie“, erklärt Eva Claudia Scholtz, Geschäftsführerin der Hessischen Kulturstiftung. Während Endprodukte nicht selten von Mitarbeitern ausgeführt werden, stammten Studien stets vom Meister selbst, der damit seine Idee vorstellen und prüfen will.

Die Studienmöglichkeiten

Antje Scherner, die MHK-Sammlungsleiterin für angewandte Kunst, erkennt eine Reihe von Weiterentwicklungen im Vergleich Terrakotta zu Marmor, etwa bei stabilisierenden Elementen an den Beinen der Figuren oder beim Gewand der Bacchantin, dessen Schwung noch verstärkt und um ihren Bauch herum durchsichtiger gestaltet worden ist. Hier gebe es noch viele Forschungsansätze, etwa, um zu ergründen, wie die nachträglich vergoldeten Terrakottafiguren über die Jahre verändert worden sind.

Der Kauf

Vor drei Jahren erhielt Antje Scherner von Kollegen aus Bayern die Nachricht, dass die Figuren auf dem Kunstmarkt aufgetaucht sind. Sie waren wohl im Besitz der Familie Odescalchi geblieben. Sofort war man in Kassel und bei den Stiftungen elektrisiert, sah sie bei Kunstmessen in London 2013 und Maastricht 2014. Zunächst hieß es, die Figuren seien für ein Museum in den USA reserviert. Erst, als sich das zerschlagen hatte, kam man ins Geschäft. Denn eins zeigte sich sofort, so Stephanie Tasch von der Kulturstiftung der Länder: „wie sehr herausragende Kunstwerke auffallen“.

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