Harold-López-Nussa-Trio und David Sanchez im Kulturzelt

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Piano-Talent aus Kuba: Harold López-Nussa verbindet traditionelle kubanische Rhythmen mit den Freiheiten des Jazzpianos.

Kassel. Als am Samstagabend ein brausender Gewittersturm über Kassel hinwegzog, konnte man nicht ahnen, dass dieser Naturausbruch seine würdige musikalische Fortsetzung mit dem Harold-López-Nussa-Trio im Kulturzelt nehmen würde.

Pure Energie entlud sich bereits im ersten Stück und gab die Richtung vor: Schwerstarbeit an Piano, Drums und Bass. Harold López-Nussa, der junge Kubaner, wirft sich mit vollem Körpereinsatz in die Tasten, verbindet mühelos die lateinamerikanische mit der großen Tradition des Modern Jazz. Es scheint als wolle er unablässig seinen Titel als bester Solopianist vom Jazzfest Montreux 2005 verteidigen.

Bisweilen hält es ihn nicht auf dem Hocker, und er spielt mit eingeknickten Beinen im Stehen. Aber nicht nur Harold López-Nussa geht an die Grenzen seiner physischen Kraft. Sein Bruder Ruy steht dem in nichts nach. Nur vordergründig wirkt sein Spiel wie ein andauerndes Schlagzeugsolo - denn er kommuniziert unablässig und unmittelbar mit seinem Bruder am Klavier. Und die beiden pflegen keine ruhige Unterhaltung. Nein, im Gegenteil, es geht richtig zur Sache. Ruy López-Nussa entlockt dem Schlagzeug Töne, Stimmungen, Nuancen, er streichelt es zart, um es im nächsten Moment ordentlich zu verhauen genau wie sein Bruder das Klavier. Irgendwann schreit ein Ungeduldiger aus dem Publikum, wo denn der angekündigte David Sanchez bleibe. Ja, er würde bald kommen, antwortet Harold López-Nussa, während Bassist Felipe Cabrera ob dieser Respektlosigkeit nur den Kopf schüttelt.

Nun denn, der aus Costa Rica stammende Tenorsaxofonist erschien dann irgendwann, und die Luft war erst einmal irgendwie raus, brauchte er doch eine ganze Weile, um sich mit seinen langen Melodiebögen hier einzufinden. Erst im letzten Stück war er angekommen, geriet richtig in Fahrt und stimmte ekstatisch in die Attacken von Klavier, Bass und Schlagzeug ein.

Leider war dann auch schon alles schnell zu Ende. Das Quartett speiste das nunmehr aufgestachelte Publikum mit einer eher lahmen Nummer ab, verschwand und alle, die da waren, mussten hinaus in den Regen.

Von Andreas Gebhardt

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