Christa Platzers phänomenaler Edith-Piaf-Abend

So voller Lieder und Leidenschaft

Pose wie die Piaf: Christa Platzer verkörperte den „Spatz von Paris“. Foto: Zgoll

KASSEL. Zuweilen gibt es Abende, die sich unerwartet aufschwingen. Mit jedem Lied, mit jedem Song zurückführen in ein Leben, das längst vergangen ist. Seine Höhen und Tiefen wieder erlebbar machen, sein ganzes Schicksal. Und das ohne Dekor und Inszenierung, ohne großen Bombast, einfach und authentisch.

Christa Platzer gelang es an diesem Samstag im ausverkauften Schauspielhaus mit ihrem Programm über die legendäre Chansonsängerin Edith Piaf (1915 - 1963), dem unvergessenen Spatz von Paris. Brillant war das, und man mag behaupten: Für zwei Stunden war diese Sängerin Edith Piaf.

Dabei war das Konzept für ihr Konzert denkbar einfach. Vier Musiker auf der schmucklosen Bühne und sie selbst. An der Seite ein Tisch, an dem die Platzer zwischen den Chansons immer wieder Platz nahm, um die Texte des Autors Dirk Schattner zu lesen. Spotlichter in das Leben der Piaf, der kleinen Frau mit der großen Stimme, die die Liebe liebte und die Männer, sich mit Alkohol und Drogen ruinierte und dabei doch so voller Mut und Leidenschaft blieb, so voller Lieder.

Immer wieder steht dann Christa Platzer auf, gekleidet wie die Piaf mit einem schmucklosen, schwarzen Kleid und einem kleinen Kreuz an der Kette um den Hals, nimmt den Weg zum Mikro und beginnt zu singen, in Haltung und Pose ganz Piaf. Sie breitet die Hände aus, legt sie auf ihre Hüften, steht breitbeinig da, legt den Kopf in den Nacken, puristisch ist das, ohne jegliche Inszenierung.

Dafür sind die Lieder groß: Mit dem unverwechselbaren Timbre ihres Vorbildes, mal melancholisch, mal metallisch hart, interpretiert die charismatische Sängerin die weltbekannten Chansons: Das gefühlstiefe „La vie en rose“, ihr von Georges Moustaki geschriebenes „Mylord“, das mitreißende „Padam ... Padam“, ihr introvertiertes „Mon Dieu“ nach dem Tod ihres Geliebten und das frühe „L’accordeoniste“.

Chansons, die süchtig machen mit ihrer Mixtur aus Sehnsucht, Verzweiflung, Traum und Liebe. Und zum Schluss singt die Platzer noch verzweifelt schön das Lebensmotto der Piaf, die 1963 viel zu früh starb: Non, je ne regrette rien. Nein, ich bereue nichts. Stürmischer Applaus im Schauspielhaus und drei Zugaben.

Von Juliane Sattler

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