Voller Spielfreude: Die Geigerin Corinne Chapelle und die Pianistin Shani Diluka in Kassel

Vom Publikum gefeiert: Corinne Chapelle (Violine) und Shani Diluka (Klavier) im Ständesaal. Im Hintergrund eine namentlich nicht bekannte Notenassistentin. Foto: Fischer

KASSEL. Von Bach bis Pärt einschließlich Beethoven und Schubert: die beiden Musikerinnen des vierten Violinabends am Dienstag schenkten sich nichts. Sie hatten sich ein großes Programm vorgenommen und ernteten am Ende verdienten und üppigen Beifall der gut 200 Zuhörer im Ständesaal.

Die französisch-amerikanische Geigerin Corinne Chapelle und ihre Klavierpartnerin Shani Diluka, Tochter sri-lankischer Eltern, bewältigten die umfangreiche Stückfolge mit Bravour und im Detail sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Am Anfang gab es Bachs A-Dur-Sonate BWV 1015. Chapelle versuchte eine Annäherung an historische Spielpraxis, unterdrückte das Vibrato weitgehend und verzichtete auf große Ausschläge. Dazu passte allerdings das dicke Spiel des Konzertflügels nicht.

Dann der Sprung in die gemäßigte Moderne mit Arvo Pärts Welthit „Fratres“ in der Fassung für Violine und Klavier, zu verorten im Dreieck von Bach, Paganini und New Age. Die technischen Finessen lockten offenbar die Geigerin, die sie mit Bravour bewältigte.

Bei Beethoven ist mehr an individueller Deutung gefragt. Seine Sonate in G op. 96, die letzte Violinsonate, die er komponierte, verlangt nach farbenreichem Spiel. Insgesamt fehlte der Interpretation etwas die Frische, war sie doch offenbar nur auf Schönheit ausgerichtet.

Franz Schuberts Sonate in a-Moll, nach der Pause gespielt, lag Corinne Chapelle offenbar näher. Hier blitzten Funken auf, der Klang wurde variabler und die Körpersprache lebhafter. Zum Abschluss nochmals Beethoven mit der frühen Sonate in Es op. 12 Nr. 3. Erneut war Spielfreude Trumpf. Das Ende in Sicht, drehten beide Musikerinnen auf, die durchweg vorzüglich und mitfühlend assistierende Shani Diluka am Klavier manchmal eine Prise zu stark.

Es war ein langes und schönes Konzert, allerdings nicht so lang, dass der Morgen schon graute. Das Morgenlied von Edward Elgar war dennoch als Zugabe willkommen.

Von Johannes Mundry

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