Das rasante Jugendstück „Crash-Kids“ feierte Premiere am Jungen Theater in Göttingen

Mit Vollgas bis zum Absturz

Machen mit geklauten Autos die Stadt unsicher: Eva Schröer als Viper und Ali Berber als Colly. Foto: Heise

Göttingen. Colly (Ali Berber) rennt und tanzt über die Bühne und schlägt Purzelbäume im Stück „Crash-Kids“ des britischen Regisseurs Marcus Romer, das am Dienstagabend im Jungen Theater Göttingen Premiere feierte. Colly ist der coole, ältere Traumtyp von der Schule. Viper (Eva Schröer), die ihren Spitznamen von Colly bekommt, weil sie ihn beim Küssen gerne beißt, ist jünger und unerfahrener, aber weiß, was sie will.

Bei ihrem ersten Date im Park lässt sie ihn zehn Minuten warten: „Ich dachte, der ist scharf auf mich.“ Dann stehen die beiden nebeneinander, auf der großen Leinwand über der Bühne erscheinen ihre Oberkörper, wir hören ihre inneren Stimmen sprechen. Auf der Bühne stehen sie unter einer Rutsche, die Zuschauer sehen unsichere Bewegungen. Viper fragt Colly aus und wird irgendwann ungeduldig: „Warum bist du überhaupt hergekommen?“, fragt sie, „Weil ich dich cool finde“ – beide rennen zu den Mikros, die am vorderen Bühnenrand stehen, und Viper sagt: „Du musst irgendwas sagen, irgendwas: Hast du Lust, mit mir wegzugehen?“ Colly sagt „Ja“. Damit beginnt der actionreiche Roadtrip (Inszenierung: Sebastian Stolz).

Zusammen werden sie zum Autoknacker-Pärchen. Colly macht das schon länger. „Ich wollte ihr zeigen, wie man so richtig lebt“, sagt Colly, den Berber als lustigen und verletzlichen Typen perfekt verkörpert. Das Paar knackt viele Autos und Colly rast damit durch die Stadt. Auf der Leinwand fahren Schlitten wie aus einem Video-Autorennspiel, auf der Bühne purzeln Viper und Colly über vier Autositze.

Viper, die Schröer mit einer Mischung aus jugendlicher Unsicherheit und wachsendem Selbstbewusstsein sehr gut spielt, hat Spaß dabei. „Ich will, dass er mich noch mal mitnimmt. Warum, weiß ich heute gar nicht mehr.“ Ein Wochenende im Wohnwagen der Tante hat fatale Folgen: Viper ist schwanger.

Bei „Crash-Kids“ handelt es sich zwar um ein Jugendstück, das mit der Verbindung von Video (Licht, Ton und Videotechnik: Heiner Wortberg, Bettina Frank) und Bühne (Sebastian Stolz, Susanne Bachmann) sehr modern ist. Doch mit seinem Bezug zu Jugendkriminalität ist die sehenswerte und fesselnde Mischung aus Actionfilm und Liebesdrama auch erwachsenentauglich. Das Publikum applaudiert minutenlang.

Wieder am 20. und 30. Dezember, jeweils 20 Uhr.Kartentel.: 05 51/49 50 15.

Von Nina Nickoll

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